201811 Wuehlmaus Fotolia ndr.ratgeber.gartenIn den letzten Jahren wurde bereits mehrfach über die Bekämpfung bzw. Vertreibung von Wühlmäusen berichtet. Selbst gut gemeinte Ratschläge zeigten kaum Erfolge. Auch ich, als Kleingärtner, bin darüber schon fast verzweifelt.

Grundvoraussetzung ist, dass man die das Verhalten und die Eigenarten dieser Spezies kennt, um sie in Schach zu halten. Wühlmäuse gehören zu den Nagern. Sie sind sehr sozial und ausgesprochen lernfähig, lassen sich gut dressieren und es gab sogar schon Zirkusnummern mit ihnen.

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Wühlmäuse zeichnen sich durch einen guten Gehör- und Geruchsinn aus. An Geräusche gewöhnen sich diese Biester sehr schnell. Jedoch den sehr empfindlichen Geruchssinn kann man sich zunutze machen. 

Handelsübliche Mittel zur Bekämpfung und Vertreibung sind Fallen, Köder und Drahtnetze. Darüber hinaus gibt es im Handel die sogenannten Wühlmauspiepser. Die ersten vier Wochen wirken diese sehr gut. Schnell bekommt das Mäuschen jedoch mit, dass von den Geräten keine Gefahr ausgeht und es frisst sich gerade in der Nähe dieser Piepser so richtig satt. Katzen, Marder und andere Fressfeinde fühlen sich durch die Piepserei gestört und suchen das Weite.

Außer diesen Mitteln gibt es „naturgemäße“ Gegenspieler, wie Bussarde, Turmfalken, Schleiereulen und Käuze. Sie benötigen hohe Bäume, besonders mit Habitat Status, innerhalb der Kleingartenanlage (KGA) als Verweilplätze. Weitere Fressfeinde sind Schlange, Mauswiesel, Hermelin, Iltis, Marder und Fuchs und wilde Katzen. Hierbei wirkt sich ein Stein- und Totholzhaufen sowie andere Hohlräume in einer ruhigen, teilweise verwilderten Ecke im Garten positiv aus.

Auch ein naturnaher Kleingarten hält Wühlmäuse auf Distanz, da die Nahrungssuche der Wühlmäuse durch die dort lebenden Fressfeinde zum Überlebenskampf wird.

Wühlmäuse besitzen eine natürliche Aversion gegen nahezu alles, was sauer riecht. Ein Gärtner experimentierte mit verdünnter Buttersäure, die er in die Wühlmausgänge goss. Wie er berichtete, hatte er damit einen sehr guten Erfolg. Aber der Geruch soll bestialisch gewesen sein.

Ich selber experimentierte mit Vergärung von Holunderblättern und –zweigen. Damit stellten sich Erfolge ein. Hierbei ist es wichtig, den richtigen Gärzeitpunkt abzupassen. Dies dauert ca. 10 Tage, bis die Jauche verwendet werden kann. Täglich muss ein- bis zweimal umgerührt werden. Ist die Jauche fertig, riecht diese nach Erbrochenem. Wird der Gärzeitpunkt jedoch überschritten, verringert sich die Wirkung drastisch. Das Gebräu wird unverdünnt in die Wühlmausgänge gegossen und anschließend die Einfüllstellen zugedeckt.

Um festzustellen, welche Wühlmausgänge tatsächlich aktiv sind, bedient man sich der Verwühlprobe. Dazu legt man, vom Wühlmausloch ausgehend, ein Stück des Gangs frei und markiert die Stelle mit einem Stöckchen. Nutzt die Wühlmaus den Gang, wird sie das offengelegte Stück nach ein paar Stunden wieder zugewühlt haben.

Auch das Vergären von Äpfeln mit anschließender Verwendung dieser Flüssigkeit, die ich in die Wühlmausgänge goss, hatte ich Erfolge. Der Geruch von einigen Kreuzblütengewächsen (u.a. Grünkohl, Rosenkohl, Broccoli, Wirsingkohl) wird von den Tieren als störend empfunden.

Ein Landwirt berichtete mir, dass er auf seinem Kartoffelfeld beim Roden der Kartoffeln mit Entsetzen feststellte, dass über 25% der Ernte den Wühlmäusen zum Opfer gefallen waren. Im darauffolgenden Jahr baute er Raps an. Hier zeigte sich sehr wenig Schwund durch Wühlmausfraß.

Ein norddeutscher Biobauer erzähle mir, dass er Eisbergsalat angebaut hatte und die Wurzeln von den Nagern abgefressen worden waren. Knapp die Hälfte ging ihm verlustig. Im Jahr darauf bestellte er sein Feld mit Grünkohl. Von Wühlmausfraß dieses Mal keine Spur.

Zum Abschluss möchte ich darauf hinweisen, dass die geschilderten Erfahrungswerte (außer bei zugelassenen handelsüblichen Mitteln) keine allgemein anerkannten Vertreibungsmöglichkeiten dieser Nager sind.

Jörg Pieper – Gartenfachberater der Fachkommission des SL