Naturnah gärtnern

Behrens ErikprokschEin Thema, das stets zu Diskussionen führt. Was ist eigentlich darunter zu verstehen, ist dies eine "Neuerfindung" der Gegenwart, ein Trick der Werbeindustrie oder haben unsere Altvorderen schon nach diesem Prinzip sich mit der Natur bewußt auseinandergesetzt? Deshalb möchten die Autoren diese Thematik sach- und fachkundig beschreiben und den Kleingärtnern verständlich näher bringen. In dieser Serie erläutern Rainer Proksch und Erik Behrens ausführlich Wissenswertes, wovon jeder Kleingärtner profitieren kann.

Logo Pflanzendoktor 2SLK-Foto: Rainer Proksch (l.) und Erik Behrens (Mitglieder der Garten-Fachkommission des SLK und Leiter der Stammtische Südwest bzw. Süd) / Logo: SMUL

Die normale Aussaat im Garten birgt die Gefahr, dass man nicht zur rechten Zeit zum Vereinzeln (oftmals auch Verziehen genannt) des auflaufenden Saatgutes kommt. Dann stehen die Pflanzen zu eng, treiben sich gegenseitig in die Höhe, bilden keine schönen Knollen, Wurzeln oder Blüten aus. Das betrifft hauptsächlich Radieschen, Rettiche, Möhren, Zwiebeln, Rote Bete und viele einjährige Blumen. Anzumerken ist auch noch, dass einige Gemüsepflanzen das Vereinzeln nicht mögen. Dazu gehören Lauchzwiebeln und Möhren, die wollen ungestört nach der Aussaat weiterwachsen.

Mittlerweile werden im Fachhandel einige Alternativen angeboten. Saatbänder, Saatscheiben und Saatteppiche sind die einfachste Art zu gärtnern, besonders, wenn man wenig Erfahrung oder kaum Zeit hat.

201906 Gelber u. roter Mangold Claus Ableiter CC BY SA 3.0In Folge 1 der Serie wurden die Lichtkeimer näher betrachtet. Im Gegensatz dazu gibt es ebenso viele Pflanzenarten, die es besonders dunkel zur Keimung brauchen. Die Pflanzensamen besitzen Photorezeptor-Proteine (Phytochrome). Diese messen das Verhältnis von verschiedenen Wellenlängen des Lichts.
In Forschungsversuchen hat man festgestellt, dass Dunkelkeimer sehr langwelliges Licht registrieren. Dieses Licht ist in der Lage, die obersten Bodenschichten zu durchdringen. Deshalb müssen die Samen tiefer in die Erde eingebracht werden.

Foto - Claus Ableiter: Gelber und roter Mangold / CC-BY-SA-3.0

201905 Kopfsalat Rasbak CC BY SA 3.0Schon bei der Aussaat muss man darauf achten, welche Lichtverhältnisse das Saatgut benötigt, damit es ausreichend aufgeht. Pflanzen, deren Samen vorwiegend unter Lichteinwirkung keimen, zählt man in der Fachsprache zu den Lichtkeimern. In der Enzyklopädie steht dazu: “Lichtkeimer sind Pflanzen, deren Samen im gequollenen Zustand ein Lichtsignal im hellroten Spektralbereich erhalten müssen, damit die Keimung einsetzen kann“.

Es gibt zwei Methoden zur Anzucht: Im zeitigen Frühjahr in Saatschalen bzw. in Töpfen oder zu einem späteren Zeitpunkt im Freiland durch Direktaussaat.

Foto - Rasbak: Kopfsalat / CC-BY-SA-3.0

Der Garten hat nicht nur Bedeutung als Lebens- und Aufenthaltsraum für uns Menschen, auch seine Bedeutung als naturnaher Lebensraum für einheimische Pflanzen und Tiere steigt wieder.

201806 Kleiner Fuchs ArtMechanic CC BY SA 3.0Bienen, Hummeln, Schmetterlinge etc. sind unersetzlich als Blütenbestäuber für die Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Im Obstanbau ist das wertvolle Zusammenspiel von blütenbesuchenden Insekten und Ertrag am deutlichsten sichtbar. Ohne Bestäubung der Apfelblüten im Frühjahr durch Bienen, Hummeln und Wildbienen gäbe es im Herbst nur wenige und minderwertige Äpfel. Auch bei Wildpflanzen gibt es unzählige solcher Abhängigkeiten. Damit u.a. Honig- und Wildbienen, Wespen, Hornissen, Schwebfliegen und viele Käferarten überleben können, brauchen sie vom zeitigen Frühjahr bis zum Spätherbst ausreichend Nahrung und Wohnraum. Gerade der Kleingärtner hat Möglichkeiten im Nutz- und Ziergarten Lebensräume und Nahrungsangebote für Blüten besuchende Insekten zu schaffen. Das lebenswichtige Nektar- und Pollenangebot von Frühjahr bis zum Herbst kann er durch den gezielten Anbau von blühenden Pflanzen fördern.

Foto - ArtMechanic: Kleiner Fuchs / CC-BY-SA-3.0