Naturnah gärtnern

Behrens ErikprokschEin Thema, das stets zu Diskussionen führt. Was ist eigentlich darunter zu verstehen, ist dies eine "Neuerfindung" der Gegenwart, ein Trick der Werbeindustrie oder haben unsere Altvorderen schon nach diesem Prinzip sich mit der Natur bewußt auseinandergesetzt? Deshalb möchten die Autoren diese Thematik sach- und fachkundig beschreiben und den Kleingärtnern verständlich näher bringen. In dieser Serie erläutern Rainer Proksch und Erik Behrens ausführlich Wissenswertes, wovon jeder Kleingärtner profitieren kann.

Logo Pflanzendoktor 2SLK-Foto: Rainer Proksch (l.) und Erik Behrens (Mitglieder der Garten-Fachkommission des SLK und Leiter der Stammtische Südwest bzw. Süd) / Logo: SMUL

In den Wintermonaten hat unser Organismus einen erhöhten Bedarf an abwehrstärkenden Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen. Würzige Keimsprossen sind eine Alternative den Organismus zu stärken, diese können auf der Fensterbank gezogen werden.

Grundsätzlich kann man die Samen aller essbaren Pflanzen in eine Keimbox oder Keimschale legen. Eine Ausnahme sind die Samen der Nachtschattengewächse, dazu gehören Tomaten, Paprika, Auberginen und Chili. Die Früchte sind allesamt essbar aber nicht die grünen Keimlinge, die aus ihnen hervorgehen. Es ist selbstverständlich, dass man niemals Samen von giftigen und ungenießbaren Pflanzen auskeimen lässt.

Aus gegebenem Anlass möchte ich heute noch einmal auf die folgende Frage eingehen und vielleicht auch diskutieren: Ist der Gemüseanbau im Kleingarten heute noch modern?

Der richtige Kleingärtner wird sich bei dieser Frage an den Kopf greifen. Der Anbau von Obst und Gemüse im Kleingarten ist zeitgemäßer geworden. Sieht man sich nur die Preisentwicklung, die Anbaumethoden, die Erntebedingungen bei Importobst- und Gemüse an.

Beim Kauf von Saatgut stellen sich viele Kleingärtner noch die Frage: Was bedeutet eigentlich F1 / F2-Hybride und warum ist das Saatgut so teuer?

Ohne eine hochwissenschaftliche Abhandlung vornehmen zu wollen, kann zum richtigen Verständnis folgendes dazu erklärt werden: Entsprechend der 1. Mendelschen Regel, (benannt nach dem Entdecker Gregor Mendel), werden zwei Individuen einer Art, die in einem Merkmal unterschiedlich, aber jeweils reinerbig sind, gekreuzt. Die Nachkommen in der 1. Tochtergeneration sind in diesem Merkmal alle gleich. Dabei weiß der Züchter oftmals zuvor nicht, was bei den Kreuzungen herauskommt. Es handelt sich immer um Kreuzungen (Hybriden) aus zwei verschiedenen Elternsorten bzw. -rassen derselben Art. Ist das Ergebnis gelungen, kann die Sorte zum Verkauf angeboten werden.

Unkraut und Moos im Garten

Die Anziehungskraft des Gartens ist ungebrochen. Und wie es aussieht, wird die Gemeinde der Kleingärtner in den nächsten Jahren weiter zunehmen: Gartenarbeit kontra Freizeitstress.

Heute wird die Gesamtgartenfläche mit 930 000 Hektar angegeben. Dies entspricht 2,6 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands. Vier Millionen Menschen nutzen intensiv die weit über 1 Million Kleingärten, deren Pächter in verschiedenen Vereinen organisiert sind. Die Wartelisten für Kleingärten sind lang.

Die normale Aussaat im Garten birgt die Gefahr, dass man nicht zur rechten Zeit zum Vereinzeln (oftmals auch Verziehen genannt) des auflaufenden Saatgutes kommt. Dann stehen die Pflanzen zu eng, treiben sich gegenseitig in die Höhe, bilden keine schönen Knollen, Wurzeln oder Blüten aus. Das betrifft hauptsächlich Radieschen, Rettiche, Möhren, Zwiebeln, Rote Bete und viele einjährige Blumen. Anzumerken ist auch noch, dass einige Gemüsepflanzen das Vereinzeln nicht mögen. Dazu gehören Lauchzwiebeln und Möhren, die wollen ungestört nach der Aussaat weiterwachsen.

Mittlerweile werden im Fachhandel einige Alternativen angeboten. Saatbänder, Saatscheiben und Saatteppiche sind die einfachste Art zu gärtnern, besonders, wenn man wenig Erfahrung oder kaum Zeit hat.

Jauchen, Brühen, Chemische Pflanzenschutzmittel

Es wird immer öfter propagiert, dass sich vor allem Blattläuse mit Seifenlösungen und allerlei Jauchen und Brühen vertreiben lassen. Ehrlicherweise muss man zugeben, dass ein Großteil solcher Jauchen und Brühen sich wirklich nur im vorsorglichen Einsatz bewährt haben.

201906 Gelber u. roter Mangold Claus Ableiter CC BY SA 3.0In Folge 1 der Serie wurden die Lichtkeimer näher betrachtet. Im Gegensatz dazu gibt es ebenso viele Pflanzenarten, die es besonders dunkel zur Keimung brauchen. Die Pflanzensamen besitzen Photorezeptor-Proteine (Phytochrome). Diese messen das Verhältnis von verschiedenen Wellenlängen des Lichts.
In Forschungsversuchen hat man festgestellt, dass Dunkelkeimer sehr langwelliges Licht registrieren. Dieses Licht ist in der Lage, die obersten Bodenschichten zu durchdringen. Deshalb müssen die Samen tiefer in die Erde eingebracht werden.

Foto - Claus Ableiter: Gelber und roter Mangold / CC-BY-SA-3.0

Lebensräume

Damit sich Nützlinge im eigenen Garten wohl fühlen, müssen günstige Lebensräume für sie geschaffen werden. Nützlinge - Jeder braucht sie. Ein Garten, der nur aus einer Grasfläche und einigen wenigen Pflanzen besteht, wird Nützlinge kaum oder gar nicht anlocken. Existieren hingegen viele Sträucher, Reisighaufen und blühende Stauden, werden den kleinen Helfern im Garten schon deutlich mehr Lebensräume und Nahrungsgrundlagen angeboten.

201905 Kopfsalat Rasbak CC BY SA 3.0Schon bei der Aussaat muss man darauf achten, welche Lichtverhältnisse das Saatgut benötigt, damit es ausreichend aufgeht. Pflanzen, deren Samen vorwiegend unter Lichteinwirkung keimen, zählt man in der Fachsprache zu den Lichtkeimern. In der Enzyklopädie steht dazu: “Lichtkeimer sind Pflanzen, deren Samen im gequollenen Zustand ein Lichtsignal im hellroten Spektralbereich erhalten müssen, damit die Keimung einsetzen kann“.

Es gibt zwei Methoden zur Anzucht: Im zeitigen Frühjahr in Saatschalen bzw. in Töpfen oder zu einem späteren Zeitpunkt im Freiland durch Direktaussaat.

Foto - Rasbak: Kopfsalat / CC-BY-SA-3.0

Wirksamer integrierter Pflanzenschutz

Die absolute Gesundheit gibt es nicht. Welcher Gärtner träumt nicht von einem Garten, in dem weder Pflanzenkrankheiten noch Schädlinge vorkommen bzw. auftreten. Aber ein solcher Garten wird immer nur ein Wunschtraum bleiben, dem man sich allerdings durch eine sinnvolle Gestaltung und die richtige Bewirtschaftung des Gartens nähern kann.

Pflanzen, die auf einem Boden stehen, der Ihnen bestmögliche Entwicklungsvoraussetzungen bietet, können bei guter Pflege fast immer früher geerntet werden. Das liegt daran, dass diese Pflanzen schneller wachsen als vergleichbare Exemplare, die unter ungünstigen Bedingungen existieren müssen.

Eine frühere Ernte bedeutet wiederum, dass sich pro Zeiteinheit an den betreffenden Pflanzen weniger Schädlinge und Krankheiten ansiedeln und vermehren können. Gleichzeitig sind derartige Pflanzen robuster und deshalb oft besser in der Lage, Krankheiten oder einen Befall durch Schädlinge weitgehend unbeschadet zu überstehen.

201806 Kleiner Fuchs ArtMechanic CC BY SA 3.0Bienen, Hummeln, Schmetterlinge etc. sind unersetzlich als Blütenbestäuber für die Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Im Obstanbau ist das wertvolle Zusammenspiel von blütenbesuchenden Insekten und Ertrag am deutlichsten sichtbar. Ohne Bestäubung der Apfelblüten im Frühjahr durch Bienen, Hummeln und Wildbienen gäbe es im Herbst nur wenige und minderwertige Äpfel. Auch bei Wildpflanzen gibt es unzählige solcher Abhängigkeiten. Damit u.a. Honig- und Wildbienen, Wespen, Hornissen, Schwebfliegen und viele Käferarten überleben können, brauchen sie vom zeitigen Frühjahr bis zum Spätherbst ausreichend Nahrung und Wohnraum. Gerade der Kleingärtner hat Möglichkeiten im Nutz- und Ziergarten Lebensräume und Nahrungsangebote für Blüten besuchende Insekten zu schaffen. Das lebenswichtige Nektar- und Pollenangebot von Frühjahr bis zum Herbst kann er durch den gezielten Anbau von blühenden Pflanzen fördern.

Foto - ArtMechanic: Kleiner Fuchs / CC-BY-SA-3.0

Der Garten hat nicht nur Bedeutung als Lebens- und Aufenthaltsraum für uns Menschen, auch seine Bedeutung als naturnaher Lebensraum für einheimische Pflanzen und Tiere steigt wieder.