Warum wir unsere Bäume lieber schneiden anstatt verschneiden sollten – ein Erfahrungsbericht

2019 BSS Cindy Hoell 6994Das Schneiden von Obstgehölzen ist eine Wissenschaft für sich. Das wurde mir bewusst, als ich vor sieben Jahren unter die Kleingärtner ging und meinen Apfelbaum zunächst verschnitt. Seitdem habe ich mich belesen, Fortbildungen besucht und trotzdem stellt mich jeder Obstbaum vor eine neue Herausforderung.

Mit etwas Glück ergatterte ich nun einen der begehrten Plätze beim Baumschnitt-Seminar des Stadtverbandes. Mit 15 weiteren Kleingärtnern nutzte ich die Fortbildung, um mein Wissen zu erweitern und in einen regen Erfahrungsaustausch zu treten. Unter Anleitung der erfahrenen Fachberater „Garten-Olaf“ Weidling und Ralf Hesse wurden uns die Grundlagen des Obstgehölzschnitts in Theorie und Praxis erläutert.

Foto - Cindy Höll: Ralf Hesse, Mitglied der Garten-Fachkommission des SLK, schärft den Teilnehmern u.a. ein, nur trittsichere Leitern zu nutzen

2019 BSS Cindy Hoell 7035Am 7. März war ein Vortrag in den Räumen des Stadtverbandes der Auftakt. Der Theorie folgte zwei Tage darauf die praktische Umsetzung. Ein Pächter des KGV „Volksgesundung“ in Gohlis stellte uns hierfür seine Apfelbäume zur Verfügung.

Am 16. März durften wir endlich selber zur Säge und Schere greifen und unser erlangtes Wissen unter Beweis stellen. Unter den wachsamen Augen unserer Mentoren führten wir einen fachgerechten Obstgehölzschnitt durch. Als Belohnung erhielten alle Seminarteilnehmer ein Zertifikat vom Stadtverband.

Foto - Cindy Höll: An den zugewiesenen Obstgehölzen setzen die "Baumschüler" ihr theoretischen Wissen nun in die Praxis um und "Garten-Olaf" gibt hin und wieder korrigierende Hinweise

Was gilt es zu beachten, um seinen Baum eben nicht zu verschneiden? Neben dem richtigen Schnittzeitpunkt sind die Schnittgesetze zu berücksichtigen. So fördert z.B. ein starker Rückschnitt einen starken Austrieb. Der regelmäßige Schnitt trägt zur Vitalität des Baumes bei und sichert gleichbleibende Erträge (Brechung der Alternanz). Es wird empfohlen, regelmäßig 3- bis 4-jähriges Holz zu entfernen. Äste werden zudem an der Basis entfernt. Äste, die erhalten bleiben, werden nicht eingekürzt. Die Terminalknospe reguliert mittels Hormonen das Wachstum. Wird sie entfernt, treibt der Baum umso stärker aus. In der Regel sind das Langtriebe, die erst nach 2-3 Jahren Fruchtholz ausbilden, meist aber vorher der Schere zum Opfer fallen.

Die Krone sollte immer luftig geschnitten sein. So beugt man nicht nur Pflanzenkrankheiten vor, sondern verbessert auch die Qualität der Früchte, die gut besonnt besser reifen. Nicht zuletzt sollte man den Sommerriss nicht vergessen, um den Neuaustrieb zu regulieren. Mit kontinuierlichen Pflegemaßnahmen hat man über viele Jahre gute Erträge in bester Bio-Qualität.

2019 BSS 1065Mein Fazit: Der Austausch mit Gleichgesinnten hat sehr viel Spaß gemacht. Das Schneiden unter Anleitung „schnitterfahrener“ Kleingärtner war überaus hilfreich. So sind die Abbildungen in den Ratgebern schlüssig, die Realität ist es nicht. Bäume, die über Jahre verstümmelt oder aber vernachlässigt wurden, gehören zum Alltag. Durch Fortbildungen wie diese, bekomme ich mehr Sicherheit, in dem was ich tue. Ein herzliches Dankeschön an unsere Mentoren und an den Stadtverband, die diese Fortbildung ermöglicht haben.

SLK-Foto: Mit dem absolvierten dritten Teil des Seminars erhielten die Teilnehmer ihr Zertifikat

Ich bedanke mich bei dem Pächter, der uns seine Bäume anvertraut hat und nicht zuletzt bei allen Seminarteilnehmern, die für ein schönes Miteinander gesorgt haben. Bedauerlich ist, dass trotz zahlreicher Anmeldungen, einige Teilnehmer nicht erschienen sind und so all jenen, die auf der Warteliste standen, die Chance genommen haben. Ich hoffe, dass der Stadtverband weiterhin Fortbildungen wie diese anbietet und dass die Seminarteilnehmer als Multiplikatoren ihr Wissen weitergeben, damit Äußerungen wie „Ich habe meinen Baum verschnitten.“ irgendwann der Vergangenheit angehören.

Cindy Höll - Fachberaterin - KGV „Gartenfreunde Süd“

P.S.: Ein ganz besonderer Dank gebührt dem Gartenfachberater des KGV "Volksgesundung" Henry Wunderlich. Er hat vor Ort über mehrere Jahre den praktischen Teil des Baumschnitt-Seminars mit Ralf Hesse und Olaf Weidling organisatorisch sehr akribisch vorbereitet.