Aus der Vogelwelt: Enten (2) – Tafelente

Bild von zoosnow auf Pixabay

Nachdem die Stockente (Anas platyrrhynchos) als Vertreter der Schwimm- und Gründelenten vorgestellt wurde, folgt nun als Vertreter der Tauchenten die Tafelente (Aythya ferina).

Das Männchen (Erpel) der Tafelente ist im Prachtkleid unverwechselbar mit dem rostroten Kopf und Hals, dem grauen Rücken, schwarzer Brust und weißen Flanken. Im Ruhekleid sind das leuchtendrote Auge und der schwarze, von einem blaugrauen Querband überzogene Schnabel und der schwarzen Spitze sichere Merkmale.

Das unscheinbar bräunliche Weibchen (Ente) trägt gleichfalls, aber undeutlicher, eine Schnabelbinde. Das Auge ist braun, in der Brutzeit von stärkerer Farbe. Aus der Nähe zeigt das Rückengefieder feine Querwellen. Tafelenten haben einen langen, hohen Kopf und eine fliehende Stirn. Sie erreichen eine Körpergröße von 42 bis 58 cm und wiegen zwischen 900 und 1.100 g. Tafelenten sind wenig fluglustig. Zum Auffliegen nehmen sie einen kurzen, kräftigen Anlauf auf der Wasserfläche. Sie kommen nur selten an Land.

Die Tafelente, eine zahlenmäßig stark verbreitete Tauchente, hat ihre Heimat in ganz Ost-, Mittel- und Nordosteuropa und in England. Die Populationen in Gebieten mit gemäßigtem Klima sind Stand- oder Strichvögel, die Exemplare aus Nord- und Osteuropa überwintern im Mittelmeergebiet und oft auch in Mitteleuropa. Ihre Heimat verlassen sie in der Zeit von September bis Mitte November. Das ist auch die Zeit, wo auf unseren Gewässern größere Tafelententrupps zu beobachten sind, die hier als Durchzügler oder Wintergäste verweilen und dann ab Mitte März wieder in ihre Brutheimat zurückkehren. Der Brutbestand in Sachsen wird mit 500 bis 700 Brutpaaren angegeben.

Der Nistplatz der Tafelente muss bestimmte Uferpflanzen wie Segge und Schilf aufweisen, vor allem aber Wasserhahnenfuß, Knöterich, Laichkraut, Wasserlinsen usw., da diese als Nahrung dienen. Das Nest selbst wird von der Ente allein in den Verlandungszonen der Gewässer mehr oder weniger weit vom Wasser entfernt errichtet. Es ist ziemlich groß, etwa 40 cm hoch mit einem Innendurchmesser von 20 cm, während die Mulde 15 cm tief ist und wird  aus trockenen oder feuchten und verrotteten Pflanzenteilen gebaut. Die Nestunterlage ist mit einer tiefen Mulde versehen sowie mit feinen Pflanzenteilen und Dunen ausgelegt. In seinem Umfang und seiner festen Bauart übertrifft das Tafelentennest die üblichen Entennester. Der obere Rand wird mit einem dicken Dunenwall umgeben.

Das volle Gelege findet sich erst ab Anfang Mai und hängt von der Entwicklung der Vegetation, von Störungen usw. ab. Das Gelege besteht aus durchschnittlich 8 bis 11 grünlichgrauen oder hellgrau-rahmfarbenen Eiern, welche im Laufe der Bebrütung eine glänzende Oberfläche annehmen. Die Eiablage erfolgt täglich. Das Brutgeschäft besorgt die Ente allein, der Erpel hält jedoch in der Nähe Wache und warnt vor Gefahren durch Auffliegen, wobei es den Störenfried durch Umkreisen abzuwehren versucht. Es wird eine Jahresbrut durchgeführt. Beim Verlust des Geleges kommt es zu Nachgelegen. Bei der Tafelente ist der Brutparasitismus ausgeprägter. Sie legt gern ihre Eier in fremde Nester. Die Brutdauer beträgt 23 bis 25 Tage. Nach dem Schlüpfen werden die Jungen von der Ente sofort auf das Wasser geführt, wo sie nach Trockenwerden und nachdem sie sich am Gefieder der Mutter eingefettet haben, sehr bald schwimmen und tauchen. Schon im Alter von 2 bis 3 Wochen sondern sich einzelne Junge von der Mutter ab und man kann sie dann ohne Führung beobachten. Die Flugfähigkeit tritt nach 7 bis 8 Wochen ein.

Tafelenten sind je nach Angebot mehr Fleisch- oder mehr Pflanzenfresser. Ein geringer Teil der Nahrung, etwa Wasserlinsen, wird von der Wasserfläche abgeseiht, ein weiterer geringer Teil durch Gründeln erworben, der Hauptteil durch Tauchen. Gewöhnlich tauchen Tafelenten nur im flacheren Wasser, manchmal aber auch über vier Meter tief. Sie rupfen am Gewässergrund Pflanzen ab, vor allem Armleuchteralgen, Tausendblatt, Hornkraut und Laichkräuter, die sie gleich unter Wasser verzehren. Besonders eifrig sind Tafelenten von der Abenddämmerung bis nach Mitternacht auf Nahrungssuche. Die Tafelente, wie auch die nachfolgend vorgestellte Reiherente, gehört zum Jagdwild und kann in Sachsen in der Zeit vom 1. Oktober bis 15. Januar gejagt werden.

Klaus Rost

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