Aus der Vogelwelt: Grauspecht, Schwarzspecht, Dreizehenspecht

Schwarzspecht - Bild von Schwoaze auf Pixabay

Nachdem Anfang 2014 der Grünspecht – dem die Ehre zuteilwurde „Vogel des Jahres” zu werden – vorgestellt wurde, sollen drei weitere heimische Spechtarten vorgestellt werden:

Der Grauspecht (Picus canus) sieht dem Grünspecht ähnlich und kann auch im Gelände durchaus mit ihm verwechselt werden. Die Stirn des Männchens ist nur bis zur Mitte des Kopfes rot, der Nacken und die Halspartie sind schiefergrau. Eine angedeutete schwarze Maske und ein Bartstreif sind vorhanden.

Dem Weibchen fehlt zumeist jegliches Rot am Kopf, jedoch finden sich hin und wieder Individuen mit einzelnen roten Federn. Im Mundbereich besitzt er Drüsen, die ein klebriges Sekret auf die Zunge absondern. Daran bleiben die Beutetiere, überwiegend Ameisen und deren Larven, hängen.

Der Grauspecht kommt in Auenwäldern, Ufergehölzen und Bruchwäldern vor. Man trifft ihn auch in Gärten, auf Obstwiesen, auf Friedhöfen sowie in Weinanbaugebieten an. Der Grauspecht brütet vorzugsweise tiefer im Waldinneren als seine Zwillingsart. Nadelwälder meidet er mit Ausnahme von Lärchenwäldern. Sein Vorkommen ist nicht so häufig wie das des Grünspechtes. Im Leipziger Raum kann man mit etwas Glück im Connewitzer Holz und in der nördlichen Aue auf ihn stoßen. Der Gesang besteht aus 5 bis 20 Elementen, einer wehmütig klingenden, abfallenden „kü-kü-kü….”-Rufreihe, ohne den lachenden Ton des Grünspechtes.

Das Brutgeschehen ähnelt dem des Grünspechtes. Die Eltern halten das Nest, wie alle Spechtarten, ziemlich sauber und transportieren den Kot ab. Erst vom 18. Tag an zeigen sich Schmutzspuren.

Der Grauspecht ist ein etwas weniger stark spezialisierter Ameisenjäger als der Grünspecht. Dennoch bilden vor allem im Frühjahr und Sommer Ameisen und ihre Entwicklungsstadien den Hauptbestandteil der Grauspechtnahrung. Vor allem Waldameisen, Wegameisen sowie Vertreter der Knotenameisen dominieren das Nahrungsspektrum. Daneben spielen Raupen, Grillen und verschiedene rinden- und holzbewohnende Käferlarven sowie Fliegen und Läuse als Beutetiere eine wesentliche Rolle. Im Spätherbst und im Winter nehmen Grauspechte regelmäßig und in beträchtlichen Mengen vegetarische Kost zu sich, wie verschiedene Beeren und Früchte.

Der Schwarzspecht (Dryocopus martius) ist einer der beeindruckensten Vögel unserer Wälder. Er ist der größte unserer heimischen Spechte und überhaupt der drittgrößte unter den 219 Spechtarten weltweit.

Der Schwarzspecht trägt, na klar, ein schwarzes Gefieder. Das Männchen hat eine von der Stirn bis zum Nacken reichende Rotfärbung. Beim Weibchen ist der rote Kopffleck meist nicht so stark ausgeprägt. Im Vergleich zum Buntspecht ist die Zunge des Schwarzspechtes kürzer und breiter und mit weniger “Widerhaken” versehen.

Sein Revier umfasst eine Fläche von 3 bis 5 km². Der Schwarzspecht bevorzugt Altholzbestände bis zu einem Alter von 120 Jahren. Die Bäume dürfen dabei nicht zu dicht stehen. Aufgrund seiner Größe braucht der Schwarzspecht größere Baumabstände, damit ein freier An- und Abflug an Bäumen gewährleistet ist. Der Waldboden sollte nicht zu dicht bewachsen sein. Da seine Nahrung überwiegend im Wald lebende Ameisen sind, braucht er bei der Nahrungsaufnahme stets einen guten Ausblick auf das jeweilige Areal, um sich selbst vor Fressfeinden, wie dem Fuchs, zu schützen. Kilometerweit ist sein mächtiges Trommeln zu hören.

Auffallend ist das 9 mal 13 cm große Einflugloch seiner 31 bis 55 cm tief gezimmerten Bruthöhle. Solche Höhlendimensionen sind im Wirtschaftswald, wo es keine oder nur wenige größere Faulhöhlen und hohle Bäume gibt, auch von anderen Höhlenbewohnern heiß begehrt, so heiß, dass z.B. dem Schwarzspecht an Kraft und Größe ebenbürtige Konkurrenten wie die Dohlen ihn in gemeinsam besiedelten Brutgebieten tätlich angreifen und von seiner Höhle vertreiben.

Der Schwarzspecht benötigt zum Bau einer Bruthöhle in Weichhölzern etwa 14 Tage, in Buchen dauert es etwa 23 bis 28 Tage. Verlassene und ungenutzte Schwarzspechthöhlen werden von einer Vielzahl von Vögeln (z.B. Hohltaube, Rauhfusskauz, Schellente) und Säugetierarten (z.B. Eichhörnchen, Siebenschläfer, Fledermäusen), ja auch von Insekten (z.B. Hornissen) als Brut-, Nächtigungs- oder Überwinterungsplätze genutzt.

Die Eiablage erfolgt zwischen dem 15. April und dem 10. Mai. Das Gelege umfasst 3 bis 5 weißliche Eier, die 12 bis 14 Tage lang bebrütet werden. Die Nestlingszeit dauert bis zum Flüggewerden der Jungvögel ungefähr 27 bis 28 Tage. Der junge Specht wiegt beim Schlüpfen aus dem 12 Gramm schweren Ei 9 Gramm und wächst rasch heran. Wenn er nach 28 Tagen die Höhle verlässt, hat er ein Gewicht von 255 bis 265 Gramm. Die Jungvögel weisen im Gegensatz zu den Altvögeln ein braun-schwarzes Gefieder auf. Die Lebenserwartung des Schwarzspechtes kann unter günstigen Umständen in der Natur bis zu zehn Jahre betragen.

Jeden Schwarzspechtbaum sollte man wegen seiner großen Bedeutung für die Wald-Lebensgemeinschaft im Wirtschaftswald unbedingt erhalten!

In Deutschland ist die Beobachtung des Dreizehenspechtes (Picoides tridactylus) nur in den Bayrischen Alpen, dem Bayrischen Wald und dem Schwarzwald möglich. Er bevorzugt Gebirgswälder, vor allem Nadel- und Mischwälder mit alten Bäumen und stehendem Totholz.

Der Dreizehenspecht ist ein ausgesprochener Hackspecht, der durch seinen hohen Anteil von Borkenkäfern in der Nahrung bei den Forstleuten sehr beliebt ist. Er ist überwiegend ein standorttreuer Standvogel. Der Dreizehenspecht ist etwas kleiner als eine Amsel. Im Kopf- und Halsbereich kontrastreich schwarz-weiß gefärbt. Dazu trägt er auf der Halsoberseite und dem Rücken einen breiten, weißen Mittelstreifen.

Die Rotfärbung, wie bei anderen Arten, fehlt ihm. Das Männchen hat lediglich einen schwefelgelb glänzenden Scheitelfleck. Wie sein Name vermuten lässt, hat der Dreizehenspecht tatsächlich nur drei Zehen: zwei sind nach vorn, eine ist nach hinten gerichtet. Alle übrigen Spechte und fast alle anderen Vogelarten haben deren vier.

Jedes Jahr meißelt das Männchen eine neue Bruthöhle in totes Holz oder absterbende Nadelbäume, meist Fichten. Nur in Ausnahmefällen werden vorjährige Bruthöhlen oder solche von anderen Spechtarten genutzt. Die leeren Höhlen der Vorjahre werden sehr häufig von Sperlingskäuzen angenommen, für den der Dreizehenspecht der wichtigste Höhlenbauer ist.

Neben dem bereits erwähnten Borkenkäfer besteht seine Nahrung vorwiegend aus holzbewohnenden Insekten und deren Larven, die aus Rindenspalten oder morschem Holz geholt werden, außerdem ringelt er die Bäume und leckt den Baumsaft. Zum weiteren Nahrungsspektrum gehören Spinnen, Käferlarven, Kerbtiere allgemein und Schnaken. Ameisen zählen nicht zu seiner Nahrung. Im Gegensatz zu seinen Verwandten ist der Dreizehenspecht nicht sehr scheu. Annäherungen auf bis zu fünf Meter sind keine Seltenheit, wenn sich die Möglichkeit dazu ergibt.

Klaus Rost

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