Logo SLK neu 369kBAn einem der sonnigen Frühlingstage hatte der Vorstand des Kleingärtnervereins „Waldecke" *) die erste Gemeinschaftsarbeit des Jahres angesetzt. Dank des guten Wetters und klarer Einsatzplanung waren viele Kleingärtner gekommen. Vereinsvorsitzender Karl Bundschuh *) machte sich frohgemut auf zu einer Runde durch die Kleingartenanlage.

*) Alle Vereins- und Personennamen sind frei erfunden, der Stoff für die Geschichte beruht allerdings auf Tatsachen aus einem Leipziger KGV. /  Abb.: Logo SLK

Dabei sprach ihn Gartenfreundin Karla Brause *) an und meinte, dass die Gartenfreundin Susi Klemm *) erhebliche Probleme mit ihrem Mann habe, der seit Februar in Rente sei und nichts mit sich anzufangen weiß.

Karl nahm sich der Sache an und redete mit Susi Klemm. Die sagte: „Seit mein Mann in Rente ist, hat er oft miese Laune und trinkt auch schon am Vormittag Bier, habt ihr nicht eine Beschäftigung für ihn"?

„Das lässt sich machen", versprach der Vorsitzende und bat Gartenfreund Klemm zum Gespräch in das Vorstandszimmer. Rolf Klemm arbeitete bisher als Chef von zwölf Mitarbeitern in der Logistikbranche. Nachdem Karl erklärt hatte, dass der Verein händeringend nach einem Kleingärtner sucht, der die Verantwortung für den recht umfangreichen Werkzeugschuppen übernehmen könnte, leuchteten Rolf Klemms Augen und er versprach, sich die Sache zu überlegen und mit seiner Frau darüber zu sprechen.

Die stimmte zu und schon zwei Tage später konnte Karl Bundschuh den Vorstandsmitgliedern den neuen Werkzeugwart zur Bestätigung vorschlagen, die auch erfolgte. Nun änderte sich das Verhalten von Rolf Klemm gravierend. Er hatte kaum noch Zeit für seinen Garten, war fast täglich mit den ihm anvertrauten Werkzeugen beschäftigt und achtet darauf, dass diese ständig funktionsfähig sind. Er organisierte ein Ausleihsystem, erklärte den Gartenfreunden die Handhabung der Werkzeuge und informiert den Vorstand über dringende Neubeschaffungen.

Die gut funktionierenden vereinseigenen Werkzeuge fielen bald auch anderen Gartenfreunden auf. Es gab Lob und Anerkennung für den Werkzeugwart. Rolf Klemm meinte dazu: „Jetzt fühle ich mich wieder wohl und merke, dass ich noch gebraucht werde".

Ein halbes Jahr später erschien Susi Klemm in der Vorstandssprechzeit, legte einen nicht gerade kleinen Schein auf den Tisch und meinte dazu, dass dieser für die Vorstandskasse und als Dank dafür gedacht sei, dass der Vereinsvorstand ihren Familienfrieden und vielleicht sogar ihre Ehe gerettet habe.

Ob es durch das Rentnerdasein von Rolf Klemm wirklich soweit gekommen wäre, bleibt unklar. Fakt ist jedoch, dass es in gut funktionierenden KGV immer Möglichkeiten für ehrenamtliche Tätigkeit gibt, die solche Menschen ausfüllen und ihnen das Gefühl „gebraucht zu werden" vermitteln kann.

*) Alle Vereins- und Personennamen sind frei erfunden, der Stoff für die Geschichte beruht allerdings auf Tatsachen aus einem Leipziger KGV.