Kleingärtnerchef Robby Müller über dreiste Brandstifter, mutlose Gartenfreunde und lasche Justitz

Robby MuellerDas Jahr begann nicht gut für Leipzigs Kleingärtner. Seit Januar gingen doppelt so viele Lauben in Flammen auf wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. elf Brandstiftungen registrierte die Polizei bereits bis Mitte März. Ein Ende ist nicht in Sicht. Die LVZ sprach darüber mit Robby Müller Vorsitzender des Stadtverbands der Kleingärtner.

LVZ-Interview: 24./25.3.2012

Frage: Herr Müller die Serie von Brandstiftungen in Kleingärten reißt nicht ab. Können
Sie noch ruhig schlafen?

Robby Müller: Es macht uns schon große Sorgen, zumal die tatsächliche Zahl der durch Feuer beschädigten Gartenlauben erheblich höher ist. Die Polizei registriert ja lediglich die Straftat. Allerdings ist es meistens so, dass es im Umfeld einer angezündeten Laube noch Weitere Gartenhäuschen erwischt, die dann aber in keiner Statistik auftauchen.

Wie viele Gartenlauben wurden Ihrer Kenntnis nach seit Jahresbeginn durch Brände geschädigt?

Wir gehen von deutlich mehr als 20 aus.

Die Stimmung unter den Kleingärtnern dürfte am Baden sein, oder?

Sicher, die Stimmung ist wegen der Brandstiftungen und der  zahlreichen Fälle von Vandalismus wirklich
sehr, sehr schlecht. Es gibt Leute, die entnervt aufgeben. Die hätten ihren Garten vielleicht noch fünf oder zehn Jahre genutzt. sagen aber nach einem Brand: Jetzt ist für uns Schluss, Das beobachten wir mittlerweile in vielen Fällen.


Was bedeutet dies für die einzelnen Gartenanlagen?

Es erwächst daraus ein erhebliches Problem: Wenn die Brandtrümmer vom Grundstück geräumt sind, bekommt
man für das leere Grundstück nur ganz schwer einen Nachpächter, weil kaum jemand in den Bau einer neuen Laube investieren will. Das Angebot an Gärten ist so groß, dass viele lieber eine Parzelle nehmen, auf der schon eine Laube steht.

Verschärft sich durch die Brandstiftungen also das Problem des Leerstands?

Das ist leider so. Wir müssen in der Stadt ein paar Gärten zurückbauen, um das Verhältnis von Angebot und Nachfrage wieder zu verbessern.  Im Bereich des Stadtverbandes mit insgesamt 32.000 Gärten haben wir derzeit einen Leerstand von etwa 3,5 Prozent. Seit 1994 besteht eine Sicherheitspartnerschaft von Polizei. Ordnungsamt und Kleingärtnern. die auch Begehdienste organisierte. Zeitweise waren bis zu 150 Kontrolleure unterwegs, die Zahl der Straftaten in den Anlagen ging dadurch zurück. Doch seit 2011 fehlt das Geld für regelmäßige Patrouillen.

Herrscht auch dadurch wieder mehr Kriminalität?

Die drastischen Einschnitte auf dem zweiten Arbeitsmarkt sind in der Tat ein großes Problem für uns, weil sich die Begehdienste nicht mehr kontinuierlich gewährleisten lassen. Immerhin haben wir in Zusammenarbeit mit der Stadt seit Februar 100
Beschäftigte aus diesem zweiten Arbeitsmarkt, die in den Anlagen Kontrollgänge machen. Außerdem sind die Kleingärtner verstärkt präsent. Aber die Realität zeigt: Viel lässt sich damit nicht ausrichten, dazu ist die Fläche der zu kontrollierenden Kleingartenanlagen einfach viel zu groß. Die Kriminalität steigt ja generell wieder an in der Stadt, und diese Entwicklung macht eben auch vor den Gartenvereinen nicht halt. Bemerkenswert ist allerdings, welche Erfahrungen unsere Partner in den Kleingartenverbänden von Dresden und Chemnitz haben. Denn dort ist die Problematik mit abgebrannten Lauben so gut wie gar
nicht bekannt.

Wo sehen Sie die Ursachen? Ist es reine Zerstörungswut oder wollen
Einbrecher einfach nur ihre Spuren verwischen, indem sie das ganze Häuschen anzünden?


Spurenverwischung ist sicher eine Möglichkeit. Aber wir glauben: Auch Frust spielt eine Rolle. Die Täter brechen eine Laube auf und wollen sofort verwertbare Gegenstände stehlen. Doch häufig finden sie kaum etwas, Weil die Gartenfreunde inzwischen wissen, dass sie über  die Wintermonate  nichts Wertvolles in den Lauben aufbewahren sollten. Nicht ausgeschlossen, dass die Einbrecher wegen des Misserfolgs die Laube aus reiner Wut abbrennen. Immer wieder erstaunt, wie dreist die Täter vorgehen. Kein Wunder, denn die Justiz lässt allzu häutig Milde walten. Erst Anfang März war in der LVZ zu lesen, dass zwei Täter auf freien Fuß kamen, die in der Gartenanlage an der Miltitzer Straße eine Laube aufgebrochen und eine zweite in Brand gesetzt hatten. Am Amtsgericht erhielten sie noch Haftstrafen, doch in der zweiten Instanz wurde ihnen Bewährung zugebilligt. Eine solche Entscheidung kann bei uns Kleingärtnern niemand nachvollziehen. Unser Wunsch wäre, dass die Justiz härter mit diesen Straftätern umgeht - wenn schon mal einer gefasst wird.

Hat sich das Problem der Einbrüche und Brandstiftungen mit dem Frühlingsanfang und dem Beginn der Gartensaison erledigt?

Leider nicht. Nach unserer Erfahrung entspannt sich die Lage erst mit Beginn der Sommermonate.

Wird es im nächsten Winter angesichts der wachsenden Übergriffe auf Gärten wieder verstärkte Kontrollen geben?


Diese Frage kann ich derzeit nicht beantworten. Die Sicherheitspartnerschaft trifft sich regelmäßig zu Beratungen, Leipzigs Polizeipräsident Horst Wawrzynski ist da persönlich sehr eingebunden. Wir sind gegenwärtig dabei, ein Pilotprojekt zu testen, aber dazu wollen wir uns derzeit noch nicht offiziell äußern.

Interview: Frank Döring