20150905 27.Bundesverbandstag-BDG 5294 RMAuf dem 27. Bundesverbandstag des Bundes Deutscher Gartenfreunde e.V. (BDG) am 5. September 2015 in Rostock wurde ein neuer Vorstand gewählt. 

Bereits am Tag zuvor (Freitag) reisten die Mitglieder des Gesamtvorstandes und die Delegierten aus allen Landesverbänden Deutschlands an. Die Festveranstaltung am Samstag-Vormittag eröffnete BDG-Präsident Peter Paschke.

Foto Robby Müller: Der neu gewählte Vorstand des BDG

 

Der Begrüßung folgten Grußworte, die Festrede sowie Ehrungen verdienstvoller Gartenfreundinnen und Gartenfreunde. Am Nachmittag fand im Rahmen der nichtöffentlichen Mitgliederversammlung der Wahlvorgang mit der sich anschließenden konstituierenden Sitzung des gewählten Präsidiums statt.

  • Präsident: Peter Paschke
  • Vizepräsident: Dirk Sielmann
  • Finanzen: Viola Kleinau
  • Fachberatung: Jürgen Sheldon
  • Öffentlichkeitsarbeit: Martin Rist
  • Verbandszeitschrift: Werner Heidemann
  • Seminare: Rainer Merkel
  • Jugend und Soziales: Sandra Böhme
  • Schriftführung: Jürgen Maßalsky

Positionspapier des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde e.V. (BDG)

Kleingärten: Nachhaltige Stadtentwicklung muss grün sein

Stadtgrün steht für Lebensqualität. Nur mit ausreichend Grün können sich Städte, Gemeinden und Regionen zu lebendigen Standorten entwickeln. Denn Grün schafft attraktive Lebens-, Wirtschafts-, Kultur- und Erholungsräume – heute und auch in Zukunft.

Vom Lebensmittelproduzenten zur Avantgarde der Nachhaltigkeit

Kleingärten ermöglichten Stadtmenschen schon vor 200 Jahren die Produktion von Lebensmitteln, boten Zugang zur Natur und Erholung im Alltag. Die Gemeinschaft der Kleingärtner passt sich seitdem stets den sich ändernden gesellschaftliche Bedingungen an. Sie zeigt sich offen für neue Einflüsse und Herausforderungen, jedoch ohne dabei schnelllebigen Modeerscheinungen hinterher zu hecheln: Stand zu Beginn hauptsächlich die Produktion von Lebensmitteln im Mittelpunkt, um das Auskommen der Familien zu sichern, so kam schon bald darauf die Suche nach mehr Natur, nach Licht und Luft und Grün als Motivation zum Gärtnern hinzu.

Wo in früheren Zeiten Höchsterträge das Ziel der Kleingärtner waren, steht heute, neben der Freude am Gärtnern und der Erholung im Grünen, die Qualität der produzierten Lebensmittel die im Mittelpunkt. Die kompetente Fachberatung in den Kleingärten ermöglicht es jedem, das Beste aus seinem Garten herauszuholen, in dem sie Regeln des Naturschutzes und der Nachhaltigkeit an alle Gärtner weitergibt. Dies macht die Kleingärtner quasi zur Avantgarde. Denn das gesunde Lebensmittel nur aus nachhaltig bewirtschafteten Gärten kommen können, ist hier schon lange bekannt. Der im Verein und im Verband gut ausgebildete und ökologisch sensibilisierte Gärtner wird also immer auch den Begriff der Nachhaltigkeit ins Zentrum seines Tuns rücken.

Für eine intakte Umwelt sollte jeder Mitbürger, jede Mitbürgerin im unmittelbaren Umfeld Verantwortung übernehmen. Deshalb setzt der BDG auf eine noch stärkere ökologische Aufwertung von Kleingärten und auf naturnahes Gärtnern. Das bedeutet im Wesentlichen: Wiederherstellung, Erhaltung und Steigerung der Bodenfruchtbarkeit, konsequenter Verzicht auf chemisch-synthetische Düngemittel, Erzeugung qualitativ hochwertiger, gesunder Nahrungspflanzen für den eigenen Gebrauch, Förderung und Mehrung der Artenvielfalt im Garten, Ablehnung von genmanipulierten Pflanzen, Mikroorganismen sowie deren Erzeugnisse, verstärkter Anbau alter Kulturpflanzenarten und -sorten, Verwendung schadstoffarmer Rohstoffe und Wiederherstellung eines weitgehend geschlossenen Stoffkreislaufs sowie Vermeidung von Gewässer- und Bodenbelastungen. Kleingärtner bekennen sich zu Umwelt- und Naturschutz sowie zur Landschaftspflege. Kleingärten werden deshalb auch zukünftig die nachhaltigste und zugleich bewährteste Form des Urban Gardening darstellen.

Grüne Oasen der Gemeinschaft: die Rolle der Kleingärten

Kleingärtnerinnen und Kleingärtner stellen sich schon seit langer Zeit erfolgreich den ökologischen Herausforderungen in Städten und Gemeinden. Sie bewahren und entwickeln seit Jahrzehnten das Wissen um naturgemäßes Gärtnern. Mit der zunehmenden Dominanz einer immer großflächigeren Agrarindustrie, die auf Höchsterträge und Monokultur getrimmt wird, gehören Kleingärtnervereine zu den seltenen Refugien, in denen die Kulturtechnik des naturnahen Gärtnerns bewahrt und an nachfolgende Generationen weitergegeben wird.

Kleingärten sind damit vor allem in Ballungszentren ein unentbehrlicher Bestandteil des Stadtgrüns. Sie fördern die Biodiversität und verbessern das Mikroklima in den Wohnquartieren. Dabei müssen die oftmals finanzschwachen Kommunen nicht einmal Geld für die Pflege dieses Teils des Stadtgrüns in die Hand nehmen. Im Gegenteil: Die Kleingärtnervereine ersparen den Kommunen nicht nur die Aufwendungen für die Pflege öffentlichen Grüns, sondern verbessern über die Pacht auch die Einnahmesituation vieler Städte und Gemeinden.

Kleingärten sind darüber hinaus unverzichtbarer Bestandteil der sozialen Stadt: Sie bieten den Menschen in Städten und Gemeinden die Möglichkeit einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung in der Natur. Sie bieten bezahlbares Grün für jedermann. Sie bieten eine Naturerlebniswelt – und das mitten in der Stadt. Auch Anwohner, die nicht Mitglied im Kleingärtnerverein sind, profitieren von den positiven Effekten, die von Kleingärten ausgehen: Viele engagierte Kleingärtnervereine prägen durch verschiedene Projekte auch das soziale Klima in den angrenzenden Wohnquartieren – mit Umweltbildung für Kinder und Jugendliche, als Nachbarschaftstreff, Spielplatz und Naherholungsgebiet für das angrenzende Quartier und vielem mehr. In Zeiten zerfallender sozialer Strukturen leisten viele Kleingärtnervereine so einen wertvollen Beitrag dazu, den sozialen Zusammenhalt zu stärken, die Fliehkräfte in unserer Gesellschaft zu bändigen und verschiedene Gruppen zu integrieren. Kleingärten sind damit genau die Institutionen, die ökologische und soziale Nachhaltigkeit in urbanen Räumen miteinander verbinden. Sie sind zugleich grüner und sozialer Bestandteil kommunaler Infrastruktur und damit ein Stück Lebensqualität.

Kleingärten als Teil „grüner" Baupolitik

Das Thema „Stadtgrün" erlebt derzeit auf politischer Ebene eine Renaissance. Nachhaltige Stadtentwicklung ist seit mehr als 15 Jahren fester Bestandteil des Planungsrechts in Deutschland und schafft so eine Verbindung der Aufgabenfelder Ökonomie, Ökologie und Soziales. Als lokale Akteure werden sich Kleingärtnerinnen und Kleingärtner weiterhin in die Zukunftsgestaltung der Städte und Gemeinden einbringen und mit ihren Gärten zu einer ökologisch und sozial nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen. Denn wer über „soziale Städte", über „mehr Grün in Städten und Gemeinden" spricht, der kommt an Kleingärten nicht vorbei. Das Ziel verantwortlicher Politik muss die regional bedarfsgerechte Weiterentwicklung des Kleingartenbestands sein.

Die Zukunft des BDG in der „grünen" Stadtplanung

Der BDG ist der natürliche Verbündete aller Verbände und Organisationen, die für mehr Ökologie und Natur in den Städten und Gemeinden eintreten. Hier müssen wir noch stärker den Schulterschluss suchen. Denn nur mit vereinten Kräften werden wir auch in den prosperierenden Ballungszentren dauerhaft wohnortnahe Kleingartenareale gegen andere Nutzungszwecke verteidigen können.

Gleichzeitig gilt es, den Kontakt zu den Stadtplanern zu intensivieren. Viel zu oft spielen Kleingärten vor allem im Wirken junger Landschafts- und Raumplaner keine Rolle. Dies geschieht weniger aus Ablehnung als vielmehr aus Unkenntnis. Hier gegenzusteuern wird eine wichtige Aufgabe der kommenden Jahre sein, die der BDG nur gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden leisten kann. Erst wenn wir uns – heute und auch zukünftig – mit allen Akteuren der Stadtplanung, vom Studierenden bis zur kommunalen Entscheidungsträgerin, noch besser vernetzen, werden wir den Kleingärten zu der positiven Wahrnehmung verhelfen können, die sie verdient haben.

Grüne Infrastruktur braucht Unterstützung

Wir wollen, dass Kleingärten auch in Zukunft für alle Schichten der Bevölkerung bezahlbar bleiben. Gemeinsam mit unseren Verbündeten, treten wir für ausreichend Grün in der Stadt – und damit für eine bedarfsgerechte Versorgung mit Kleingärten ein. Moderne Städtebaupolitik darf nicht nur Beton, Glas und Asphalt als Infrastruktur erkennen. Stattdessen muss sie die bedarfsdeckende Weiterentwicklung des Stadtgrüns immer mitdenken.

Damit verbinden wir konkrete Erwartungen an die politischen Entscheidungsträger auf Bundes- und Länderebene:

  • Bei großen Infrastrukturprogrammen, die den Städtebau betreffen, muss zukünftig die Weiterentwicklung von Grün- und Kleingartenflächen immer explizit als mögliche Maßnahme genannt werden. Nur so werden wir den Bestand der Kleingärten bedarfsgerecht weiterentwickeln können.
  • Besonders in Gebieten mit steigenden Bevölkerungszahlen bietet die Neuformulierung von Ausgleichs- und Kompensationsregelungen Chancen für den gesamten Bereich der Stadtentwicklung. Werden dauerhaft ökologisch aufgewertete Kleingartenanlagen als Kompensationsflächen anerkennt, können die Ansprüche von Mensch, Natur und Stadtplanung in Einklang gebracht werden.

 

Nur wenn diese Forderungen erfüllt werden, können Kleingärten auch in Zukunft ihre Funktion als grüne und soziale Infrastruktur erfolgreich auszufüllen. Die Erhaltung und Entwicklung von Kleingartenflächen in urbanen Räumen sowie eine behutsame Anpassung unter Einbindung aller Akteure dort, wo sich Bedürfnisse ändern, sind deshalb die Richtschnur für die Arbeit des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde.

(-lk)