Tomatenanbau

Rainer Proksch, Gartenfachkommission,

prokschhat hier ein umfassendes Beratungsmaterial zum Tomatenanbau zusammengestellt. Auch erfahrene Kleingärtner können hier ihr Wissen aktualisieren: Sortenwahl, Kulturbedingungen, Schädlingsbekämpfung usw.

Tomatenanbau, Folge 1

 Wissenswertes zur Geschichte

Der Name Nachtschattengewächs beruht darauf, dass alle Pflanzen dieser Familie Giftstoffe enthalten, die zu Vergiftungen und auch zur Bewusstlosigkeit (Umnachtung) bzw. zum Tod führen können.
Herkunft: Die "Urtomate" ist in den peruanischen Anden beheimatet. Die heute noch existierenden Wildarten ähneln roten Kirschtomaten. Sie kommen in einem Küstenstreifen Südamerikas zwischen Ecuador und Nordchile sowie auf den Galapagosinseln, den karibischen Inseln und Mexiko vor. Am weitesten verbreitet ist eine kleinfruchtige kirschenförmige Wildart (L. cerasiformae). Die Wildform Johannisbeertomate (L. pimpinellifolium) finden wir an der Pazifikküste von Ecuador und Peru. Sie wird teilweise heute noch kultiviert.

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Tomatenanbau, Folge 2

Die Tomate ist wegen ihrer vielseitigen Verwendbarkeit und attraktiven Farbe sehr beliebt. Im pro-Kopf-Verzehr liegt sie mit 19,5 kg (davon über 7 kg frische Tomaten) an der Spitze aller Gemüse. 

06 Tomaten 2Die Sorte "Maranello".
Foto: R. Proksch

Sie gilt als ausgesprochene Gesundheitsnahrung, da sie reich an Vitaminen (C, E und Karotin) ist und viel Kalium enthält. Nach neueren Forschungen sollen die in den Tomaten enthaltenen Fruchtsäuren (p-Cumarin- und Chlorogensäure) und Farbstoffe wie Lykopin und Karotin zusammen mit Vitamin C Nitrat abfangen und so die krebsauslösende Wirkung der Nitrosamine im menschlichen Organismus blockieren.
Langjährige Beobachtungen haben nachgewiesen, dass bei hohem Tomatenkonsum die Wahrscheinlichkeit von Prostata- u.a. Krebsarten sinkt. Zudem vermindert Lykopin das Risiko, im Alter zu erblinden. Die Gefahr von Herzinfarkten und Herz-Kreislauferkrankungen reduziert sich bei hohem Tomatenkonsum um die Hälfte. Das in den Tomaten enthaltene Lykopin wird für den Körper am besten in gut erhitzter Form und mit etwas Öl versetzt verfügbar, da es sich dann aus den Fruchtzellen löst. Daher sind Tomatensaft (täglich 500 ml erhitzten Tomatensaft trinken) Tomatensoße sowie Ketchup sehr wertvoll. Außerdem enthalten vollreife Tomaten Tyramin, ein Umwandlungsprodukt der Aminosäure Tyrosin; dieser "Stoff" wirkt stimmungsaufhellend. Tomaten enthalten zudem das "Glückshormon" Serotonin.

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Tomatenanbau, Folge 3

Richtiger Anbau für guten Geschmack

Während sich die Tomatenzüchtung in der Vergangenheit hauptsächlich mit Ertrag, optischer Qualität und Resistenz beschäftigte, zielen aktuelle Bemühungen auf den Geschmack ab. Dieser ist nicht nur von der Sorte, sondern auch von den folgenden Kriterien abhängig:

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Tomatenanbau, Folge 4

 Giftstoffe in Tomaten

Unreife Tomaten sind grün und enthalten das giftige Solanin. Ab 25 mg wirkt es für den Menschen giftig, ab 400 tödlich. Die Vergiftung äußert sich mit Kopfschmerzen, Kratzen im Hals, Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Erbrechen und Nierenfunktionsstörungen. Zudem können der Kreislauf gestört und das Nervensystem sowie die roten Blutkörperchen geschädigt werden.

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Tomatenanbau, Folge 5

Sinn und Unsinn von "Longlife" 

09 Longlife TomateSemi-Longlife-Tomate "Vanessa".
Foto: R. Proksch

Bei den in Geschäften angebotenen Tomaten sind oft Begriffe wie Baum-, Strauch-, Trauben- oder, auf holländischen Kisten, Trostomaten zu finden. Dabei handelt es sich um Früchte, die mit der ganzen Dolde geerntet wurden. Bei vielen Befragungen von Verbrauchern kristallisierte sich heraus, dass diese Art der Tomatenernte bevorzugt wird, da die Tomaten mit der Rispe frisch und natürlich aussehen und nach Tomate duften.

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Tomatenanbau, Folge 6

Vielfalt in Form und Farbe 

06 Tomaten 2Tomaten der Sorte Philovita.
Foto: R. Proksch

Tomaten sind nicht immer rund und rot. Es gibt sie von Erbsengröße bis Kilogramm, in Birnen-, Flaschen-, Eier-, Kugel-, Herz- oder Zylinderform. Reife Tomaten können cremefarben, hellgelb, zitronengelb, orangerot, scharlachrot, braunrot, rosa sowie violettgrün und streifiggrün sein, außerdem glatt, gefurcht, gerippt oder hohl.
Eier- bzw. Roma-Tomaten sind länglich bis oval, enthalten mehr Trockensubstanz und sind mehliger als "normale" runde Tomaten. In diese Gruppe gehört die als "Baumtomate" bekannt gewordene Sorte "De Berao", die äußerst wüchsig und relativ widerstandsfähig gegen Krankheiten ist. Als Frischware schnitten Eiertomaten bei Geschmackstests nicht gut ab. Sie werden z.B. zu Ketchup verarbeitet. Sie sind empfindlich gegen Blütenendfäule (Braun-/Schwarzfärbung der Früchte an der Blütenansatzstelle bei Kalziummangel).

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Tomatenanbau, Folge 7

 Pflanzenerziehung

Unbegrenzt wachsende Tomatensorten werden eintriebig gezogen, das bedeutet, dass sie mindestens einmal pro Woche ausgegeizt (Seitentriebe ausbrechen) werden müssen.
Entfernen Sie die Geiztriebe in möglichst kleinem Zustand (bis maximal 10 cm) per Hand, da sie den Pflanzen Assimilate entziehen. Zudem entstehen beim Ausbrechen Wunden, die mit zunehmender Geiztrieblänge größer werden. Wegen des hohen Zelldrucks sind die Triebe am besten morgens auszubrechen, dann trocknen die Wunden am schnellsten wieder ein. Cremen Sie sich vor dem Ausgeizen die Hände ein, dann lässt sich der grünbraune und giftige Farbstoff später leichter abwaschen; oder benutzen Sie Handschuhe.

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Tomatenanbau, Folge 8

Veredlung und Befruchtung

 tomateIm erwerbsmäßigen Anbau von Tomaten im Gewächshaus wird zum Teil eine Veredlung auf Wildtomatenunterlage vorgenommen. Die derzeit empfehlenswerte Unterlage "Maxiford" ist gegen bestimmte Wurzelkrankheiten und Nematoden resistent, zudem sehr wüchsig und kältetolerant. So werden schlechte Wachstumsbedingungen sowie Krankheiten besser verkraftet.

Bei Versuchen in einem Sommer mit schlechten klimatischen Bedingungen haben veredelte Tomaten einen deutlich höheren Ertrag gebracht. Zum selben Zeitpunkt, als die nicht veredelten Tomaten durch Schwäche zusammengebrochen waren, zeigten sich die veredelten gesund und wüchsig.

Foto: R. Meißner

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