Sinn und Unsinn von "Longlife" 

09 Longlife TomateSemi-Longlife-Tomate "Vanessa".
Foto: R. Proksch

Bei den in Geschäften angebotenen Tomaten sind oft Begriffe wie Baum-, Strauch-, Trauben- oder, auf holländischen Kisten, Trostomaten zu finden. Dabei handelt es sich um Früchte, die mit der ganzen Dolde geerntet wurden. Bei vielen Befragungen von Verbrauchern kristallisierte sich heraus, dass diese Art der Tomatenernte bevorzugt wird, da die Tomaten mit der Rispe frisch und natürlich aussehen und nach Tomate duften.

 Wollte man bei traditionellen Tomatensorten ganze Dolden ernten und dabei mit dem Erntezeitpunkt so lange warten, bis die letzte Frucht rot zu werden beginnt, wäre die erste Frucht einer Dolde bereits faul und abgefallen.
Man braucht deshalb für diese Erntemethode spezielle Sorten, deren Früchte länger als normal haltbar sind. Nicht nur für diesen Zweck wurden so genannte Longlife-Tomaten gezüchtet. Der Wunsch war es, auch aus den heißen Mittelmeerländern haltbare Früchte zu bekommen und diese reif auf den Transportweg geben zu können. Fast alle Tomaten, die derzeit aus Spanien und Marokko zu uns geliefert werden, sind Longlifes. Sie sind als solche auch auf der Kiste ausgewiesen.
Longlife-Tomaten werden von Verbrauchern skeptisch betrachtet, da man sie mit der gentechnisch manipulierten "Anti-Matsch-Tomate" gleichsetzt. Doch man muss unterscheiden.
Die Flavr-Savr-Tomate der Firma Calgene war die erste gentechnisch veränderte Nahrungspflanze und ist im Jahr 1994 auf den Markt gekommen. Sie kommt nur in den USA in den Handel.
Seit Februar 1996 wird in Großbritannien aus einer ähnlichen Tomate Tomatenmark gewonnen und unter dem Markennamen "Sainsbury" und "Safeway" angeboten.
Entgegen der landläufigen Meinung sind aber die hier angebauten und gehandelten Longlife-Tomaten nicht gentechnisch manipuliert.
Dieser neue Sortentyp entstand über normale, pflanzenbauliche Züchtung durch Selektion. Die hiesigen "echten" Longlifes sind bis zu sieben Wochen haltbar; ihnen mangelt es aber an Geschmack. Eine solch lange Haltbarkeit ist für den deutschen Handel uninteressant. So werden hierzulande in erster Linie "Semi-Longlife-Tomaten" angebaut, deren Früchte je nach Temperatur und Sorte bis zu drei Wochen bei Zimmertemperatur haltbar sind. Diese Sorten haben sich vor allem in heißen Sommern bewährt, und sie haben derzeit den größten Marktanteil.
Der Vorteil der Longlife-Tomaten ist ihre Lagerfähigkeit; allerdings gehen mit zunehmender Lagerdauer Inhaltsstoffe verloren. Außerdem können die Samen in den Früchten bei sehr langer Lagerung bereits zu keimen beginnen.
Übrigens ist "Longlife" keine neue Erfindung. Unter alten Tomatensorten gibt es "Lagertomaten", die im kühlen, frostfreien Keller teilweise bis Februar haltbar sind.
Beim Anbau im eigenen Garten ist es allerdings wenig sinnvoll, eine relativ hartschalige, allenfalls mittelmäßig schmeckende und dafür zwei bis drei Wochen haltbare Tomatensorte anzubauen.