proksch

 

Rainer Proksch - Mitglied der Garten-Fachkommission (GFK) des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner (SLK) und Leiter des Fachberater-Stammtisches Südwest - hat hier ein umfassendes Beratungsmaterial zum Tomatenanbau zusammengestellt. Auch erfahrene Kleingärtner können hier ihr Wissen aktualisieren: Sortenwahl, Kulturbedingungen, Schädlingsbekämpfung usw.

Samengewinnung 

Die Tomate ist ein Selbstbefruchter. Bei einigen Sorten, besonders bei den Kirschtomaten und auch bei den starkwachsenden, kartoffelblättrigen Sorten sowie bei einigen Fleischtomaten-sorten ragt der Griffel aus der zwittrigen Blüte heraus. Wenn mehrere der vorgenannten Sorten zusammenstehen kann es durch Insektenbestäubung zu einer Vermischung kommen. Will man also sortenreines Saatgut von mehreren Sorten gewinnen, müssen die Pflanzen mit Vlies oder durch ein Kulturnetz vor Insektenanflug geschützt werden. Der Flugradius von Insekten kann etwa 5 km betragen. Pflanzen unter solchen Schutzhüllen sollten zur besseren Selbstbefruchtung täglich einmal leicht geschüttelt werden.

Schädlinge, Düngung und Lagerung 

tomatenBereits parasitierte Eier der Weißen Fliege.
Foto: Wikipedia

Schädlinge: Freilandtomaten werden selten von Schädlingen befallen, im Gewächshaus kann es aber zu Problemen mit der "Weißen Fliege" kommen. Im trockenwarmen Gewächshausklima fühlt sie sich wohl, Bekämpfung mit Spritzmitteln ist schwierig. Einfach und erfolgversprechend ist der Einsatz von Schlupfwespen. Sie können Menschen weder belästigen noch stechen und saugen die Weißen Fliegen aus oder legen ihre Eier in die der Weißen Fliege. Im Fachhandel kann man Bestellkarten kaufen und bekommt wenig später kleine Kartonstreifen mit parasitierten Eiern ("Weiße-Fliegen-Eier"), in die die Schlupfwespe ihre Eier gelegt hat. Man hängt diese im unteren Pflanzendrittel an die Tomatenblätter. Bestellen sollte man beim ersten Auftreten der Weißen Fliege. Spätere Bekämpfung ist schwierig.

Veredlung und Befruchtung

 tomateIm erwerbsmäßigen Anbau von Tomaten im Gewächshaus wird zum Teil eine Veredlung auf Wildtomatenunterlage vorgenommen. Die derzeit empfehlenswerte Unterlage "Maxiford" ist gegen bestimmte Wurzelkrankheiten und Nematoden resistent, zudem sehr wüchsig und kältetolerant. So werden schlechte Wachstumsbedingungen sowie Krankheiten besser verkraftet.

Bei Versuchen in einem Sommer mit schlechten klimatischen Bedingungen haben veredelte Tomaten einen deutlich höheren Ertrag gebracht. Zum selben Zeitpunkt, als die nicht veredelten Tomaten durch Schwäche zusammengebrochen waren, zeigten sich die veredelten gesund und wüchsig.

Foto: R. Meißner

 Pflanzenerziehung

Unbegrenzt wachsende Tomatensorten werden eintriebig gezogen, das bedeutet, dass sie mindestens einmal pro Woche ausgegeizt (Seitentriebe ausbrechen) werden müssen.
Entfernen Sie die Geiztriebe in möglichst kleinem Zustand (bis maximal 10 cm) per Hand, da sie den Pflanzen Assimilate entziehen. Zudem entstehen beim Ausbrechen Wunden, die mit zunehmender Geiztrieblänge größer werden. Wegen des hohen Zelldrucks sind die Triebe am besten morgens auszubrechen, dann trocknen die Wunden am schnellsten wieder ein. Cremen Sie sich vor dem Ausgeizen die Hände ein, dann lässt sich der grünbraune und giftige Farbstoff später leichter abwaschen; oder benutzen Sie Handschuhe.

Vielfalt in Form und Farbe 

06 Tomaten 2Tomaten der Sorte Philovita.
Foto: R. Proksch

Tomaten sind nicht immer rund und rot. Es gibt sie von Erbsengröße bis Kilogramm, in Birnen-, Flaschen-, Eier-, Kugel-, Herz- oder Zylinderform. Reife Tomaten können cremefarben, hellgelb, zitronengelb, orangerot, scharlachrot, braunrot, rosa sowie violettgrün und streifiggrün sein, außerdem glatt, gefurcht, gerippt oder hohl.
Eier- bzw. Roma-Tomaten sind länglich bis oval, enthalten mehr Trockensubstanz und sind mehliger als "normale" runde Tomaten. In diese Gruppe gehört die als "Baumtomate" bekannt gewordene Sorte "De Berao", die äußerst wüchsig und relativ widerstandsfähig gegen Krankheiten ist. Als Frischware schnitten Eiertomaten bei Geschmackstests nicht gut ab. Sie werden z.B. zu Ketchup verarbeitet. Sie sind empfindlich gegen Blütenendfäule (Braun-/Schwarzfärbung der Früchte an der Blütenansatzstelle bei Kalziummangel).

Sinn und Unsinn von "Longlife" 

09 Longlife TomateSemi-Longlife-Tomate "Vanessa".
Foto: R. Proksch

Bei den in Geschäften angebotenen Tomaten sind oft Begriffe wie Baum-, Strauch-, Trauben- oder, auf holländischen Kisten, Trostomaten zu finden. Dabei handelt es sich um Früchte, die mit der ganzen Dolde geerntet wurden. Bei vielen Befragungen von Verbrauchern kristallisierte sich heraus, dass diese Art der Tomatenernte bevorzugt wird, da die Tomaten mit der Rispe frisch und natürlich aussehen und nach Tomate duften.

 Giftstoffe in Tomaten

Unreife Tomaten sind grün und enthalten das giftige Solanin. Ab 25 mg wirkt es für den Menschen giftig, ab 400 tödlich. Die Vergiftung äußert sich mit Kopfschmerzen, Kratzen im Hals, Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Erbrechen und Nierenfunktionsstörungen. Zudem können der Kreislauf gestört und das Nervensystem sowie die roten Blutkörperchen geschädigt werden.

Richtiger Anbau für guten Geschmack

Während sich die Tomatenzüchtung in der Vergangenheit hauptsächlich mit Ertrag, optischer Qualität und Resistenz beschäftigte, zielen aktuelle Bemühungen auf den Geschmack ab. Dieser ist nicht nur von der Sorte, sondern auch von den folgenden Kriterien abhängig: