20170111 R.P. Fenk 5752 1bDer Erfahrungsaustausch mit Fachberatern des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner (SLK) im Oktober 2016 regte mich an, meine Erfahrungen bei der Veredlung/Umveredlung von Obstbäumen den Gartenfreunden nicht vorzuenthalten, denn seit mehreren Jahren beschäftige ich mich damit, meine Obstbäume mit anderen Sorten selbst zu veredeln.

Ausschlaggebend die Theorie in die Praxis umzusetzen, war die Anschaffung eines Apfelquittenbaumes und die Anregungen von Ralf Hesse in seinem Fachberater-Stammtisch Nord, als er einen Edelreiser der Birnenquitte mitbrachte und erläuterte.

Foto 1 b - Ralf-Peter Fenk: Veredlung am Birnenbaum

Edelreiser sind abgeschnittene Triebe von Obstbäumen, die zur Veredlung genutzt werden. Sie dienen als Befruchter, die eine zweite Sorte in eine schon bestehende Krone hineinveredeln. Reiser von Birnen- und Apfelbäumen sind an frostfreien Tagen im Februar mittels einer scharfen und sauberen Schere (z.B. Bypass-Schere) zu schneiden. Zur Veredlung eignen sich einjährige Triebe. Sie sollten 30 cm lang, unverzweigt, gesund und mindestens bleistiftstark sein und aus dem äußeren und gut belichteten Bereich der Krone von Obstbäumen stammen. Bei einer Temperatur von 2°C sind sie dunkel und feucht zu lagern (nicht nass). Sie dürfen nicht austrocknen und bleiben dort bis zum Zeitpunkt der Veredlung im März oder April.

20170111 R.P. Fenk 5746 1aMeine erste Veredlung sollte unbedingt Apfelquitte mit einem Edelreiser der Birnenquitte sein. Ich wandte die Geißfußveredlung (Geißfußpfropfung) an und musste feststellen, dass viel Übung und praktisches Geschick zum Erfolg führt, der mir im ersten Jahr prompt versagt blieb. Offensichtlich sind hier richtige Werkzeuge und Passgenauigkeit von entscheidender Bedeutung.

Der nächste Versuch war natürlich erst im Folgejahr möglich. Dieses Mal sollten mehrere Veredelungen (Apfel, Birne, Quitte) den „Durchbruch“ bringen.

Foto 1a - Ralf-Peter Fenk: Veredlung am Apfelbaum

Letzte Zweifel am Gelingen räumte die theoretische Unterweisung und praktische Vorführung während eines Wochenendlehrganges an der Gartenakademie Pillnitz im März 2015 im Rahmen des 150-Stunden-Lehrgangs aus. Anschaulich erläuterten die Fachleute das richtige Veredeln von der Vorbereitung der benötigten Werkzeuge, über die korrekte Schnittausführung, dem Einsetzen der Edelreiser bis hin zum finalen Wundverschluss.

Diese „taufrischen“ Erkenntnisse habe ich im gleichen Jahr in die Praxis umgesetzt. Erste Erfolge zeigten sich beim Apfel- und beim Birnenbaum (Fotos 1a+1b). Die Quitte blieb leider „stur“. Es war jedoch mein unumstößliches Ziel, den Apfelquittenbaum mit einer Birnenquitte zu vereinen.

20170111 R.P. Fenk 7762 2Ein Jahr darauf erweiterte ich meine Versuche. Neben der Veredelung eines Apfelquittenbaums mit einer Birnenquitte sollte es auch ein Apfelbaum sein. An diesem war mir im Vorjahr der erste Veredlungsversuch mit einem Apfeledelreiser geglückt.

Mit großer Spannung beobachtete ich die Veredlungsstellen und hocherfreut registrierte ich die ersten aufgeplatzten Knospen bei den Quittenreisern am Apfelbaum (Foto 2). Etwas später folgte dann auch der Birnenquittenreiser am Apfelquittenbaum (Foto 3).

Foto 2 - Ralf-Peter Fenk: Quittenreiser am Apfelbaum

20170111 R.P. Fenk 8285 3Diese Erfolge und auch die Ausführungen von Helma Bartholomay im eingangs erwähnten Erfahrungsaustausch zeigen, dass mit etwas Übung und Geschick jede Gartenfreundin bzw. jeder Gartenfreund sich an die Veredelungen heranwagen kann. Diese Methode der vegetativen Vermehrung dient u.a. der Erhaltung alter, robuster Obstsorten sowie der Verjüngung von Obstbäumen.

Schulungsmaßnahmen sowie Vorführungen werden von der Garten-Fachkommission des SLK stets angeboten. Auch bei den Stammtischen oder der monatlichen Sprechstunde des Gartenfachberaters in der SLK-Geschäftsstelle kann man sich schlauer machen.

Ralf-Peter Fenk - Mitglied der Garten-Fachkommission des SLK

Foto 3 - Ralf-Peter Fenk: Birnenquittenreiser am Apfelquittenbaum