2017 01 Kirschessigfliege Martin Hauser CC BY 3.0 de drosophila suzukii maleDie rund drei Millimeter kleine Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) gehört zu der Familie der Taufliegen, im Volksmund auch Frucht- oder Obstfliegen genannt, jedoch nicht zu verwechseln mit der Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi)!

Die Kirschessigfliege stammt ursprünglich aus Asien und ist in Europa seit 2009, in Deutschland seit 2011, als „neuer“ Schädling bekannt. Erwachsene Tiere fressen Honigtau, Nektar, auf Blättern lebende Bakterien und Hefen. Larven (Maden) schädigen alles weichschalige Obst. Nach dem Befall mit Larven treten sekundäre Schäden mit Fäulnis auf. Oft sieht man den Befall nicht, aber Kirschen, Beeren und Weinreben verfaulen.

Foto - Martin Hauser: Männchen der Kirschessigfliege

2017 01 Kirschessigfliege Martin Hauser Suzukii ovi CC BY 3.0 deErwachsene Weibchen legen mit einem Legeapparat Eier in unbeschädigte Früchte! Heimische Essigfliegen können nur beschädigte Früchte befallen. Äpfel, Birnen und Quitten werden nur bei Schäden in der Fruchthaut befallen. Die Kirschessigfliegen bevorzugen rotes Obst, befallen aber auch weiß- oder grünfarbiges.

Erwachsene Tiere leben normalerweise im Wald, in Hecken oder in Kompostnähe und fliegen das Obst nur zur Eiablage an. Jedes Weibchen kann bis zu 60 Eier pro Tag und 600 Eier pro Jahr legen. Befruchtete Weibchen überwintern in immergrünen Gehölzen und anderen geschützten Plätzen. Sie befallen Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren, Kirschen, Holunder, Misteln, Kiwi, Aroniabeeren, Nektarinen, Pflaumen, Aprikosen, Heidelbeeren, Pfirsiche und vieles mehr.

Foto - Martin Hauser: Des Weibchens gezähnter Eiablageapparat

Die Tiere mögen feuchtes und kühles Wetter. Bei Temperaturen über 30 °C und unter 10 °C geht wenig, auch Trockenheit macht ihnen zu schaffen. Ein langer, kalter Winter dünnt den Bestand sehr aus. Im Zuge des Klimawandels dürfte sich der Bestand erhöhen und damit auch der Befall.

Nun zum Wesentlichen: Das erste befallene Obst sind überwinterte Mistelbeeren. Also sollte man auf Befall von Misteln in der Nähe der Pflanzenkulturen achten. Gelbtafeln helfen nicht und Versuche mit roten Leimtafeln stehen noch aus. Die Tiere mögen Schatten, wenn der Baum- und Fruchtholzbestand ausgedünnt wird, so dass die Früchte vollsonnig hängen, werden sie kaum befallen (z.B. bei Wein). Bei Wein könnte die Beerenzone von Blättern befreit werden. Bei Brombeeren keinen Busch wachsen lassen, sondern am Spalier locker aufziehen.

Direkte Bekämpfungsmaßnahmen sind Netze mit Maschenweite 0,8 mm oder kleiner. Achten Sie darauf, dass bei der Ernte Tiere zufliegen können, die später reifende Früchte befallen. Auch dürfen die Netze nicht direkt auf den Pflanzen liegen wegen Schäden an Früchten und dem Mikroklima.

Fallen funktionieren sehr gut. Dazu naturtrüben Apfelessig (Lockstoff, ggf. mit etwas Rotwein für die Farbe) blank oder maximal 1:1 mit Wasser verdünnen, in ein geschlossenes durchsichtiges Plastikgefäß (250 - 750 ml) füllen (ca. 3 - 5 cm hoch), 2 - 4 Tropfen Spülmittel oder Seife zur Benetzung hinein geben. In das Gefäß etwa 10 Stück 3 - 4 mm große Löcher bohren, so dass die Fliegen hineingehen, aber größere Tiere fern gehalten werden. Dann die Fallen in den gefährdeten Beständen in einem schattigen Bereich oder in Gebüschen, Hecken oder nahe des Kompostes aufhängen, wöchentlich kontrollieren. Kompoststellen sind bevorzugte Anfluggebiete!

Erste Nützlinge jagen die Kirschessigfliege. Das sind neben Wespen und Singvögeln vor allem Raubwanzen, Schlupfwespen und Florfliegenlarven. Beschädigte Früchte locken sie auch an, aber auch heimische Essigfliegen, dadurch können gezielt Früchte beschädigt werden, um den Befall dort zu konzentrieren und gezielt zu entsorgen.

Befallene Früchte müssen aus dem Garten entfernt werden oder mittels Solarisation hygienisiert werden (in geschlossenem, möglichst dunklen Plastiksack in Sonne legen und bis zum Tod der Tiere erhitzen).

Das Kompostieren der Früchte überleben die meisten Larven durch die kurze Entwicklungszeit. Kompostieren von befallenen Südfrüchten aus dem Haushalt, z.B. Nektarinen, nur nach vorheriger Solarisation, um keine weiteren Kirschessigfliegen einzuschleppen.

Erik Behrens - Gartenfachberater SLK/LSK - http://www.die-gartenfachberater.de