20120215 01 1024Traditionell ist der Mittwoch im Rahmen des ausstellungsbegleitenden Programms dem Podiumsgespräch im Pressezentrum der Neuen Messe vorbehalten. Zu dieser Veranstaltung ist auch der Bürgermeister für Umwelt. Ordnung und Sport Heiko Rosenthal in jedem Jahr präsent.

Vor der eigentlichen Gesprächsrunde wurde die sogenannte Grünschnittvereinbarung zwischen der Stadt Leipzig und den beiden Leipziger Kleingärtnerverbänden unterzeichnet. Für die Stadtverwaltung setzten ihren Schriftzug Bürgermeister Heiko Rosenthal und Dr. Frank Richter, Leiter der Stadtreinigung Leipzig, sowie für die Kleingärtnerverbände Robby Müller (Stadtverband) und Frank Müller (Kreisverband) unter den Vertrag. Diese Zeremonie geschieht aller zwei Jahre in Verbindung mit dieser Veranstaltung.

SLK-Foto: Bürgermeister Heiko Rosenthal bei seinen Ausführungen

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Das Podiumsgespräch eröffnete Robby Müller und er gab das Wort an Bürgermeister Heiko Rosenthal. In seinen Ausführungen verwies er darauf, dass trotz steigender Bevölkerungszahlen auf ca. 540.000 Einwohner in den kommenden acht Jahren in Leipzig die Leerstandsquote im Vergleich mit Dresden und Chemnitz überproportional hoch ist. Die Gründe sind unterschiedlich, z.B. verschüttete Entwässerungsgräben, defekte Drainagen und die Anbindung an das Wohnumfeld. Hier ist ein Ansatzpunkt der Entwicklung entgegen zu steuern, eine langfristige Vernetzung mit Kindergärten und Schulen aufzubauen. Auch ist eine Analyse für den gesamten Freistaat in Verbindung mit dem Landesverband Sachsen der Kleingärtner (LSK) unabdingbar.

Anschließend ergriff der Präsident des LSK, Peter Paschke, das Wort und konkretisierte die Angaben zu den Leerständen in den drei sächsischen Großstädten: Während Dresden 160 und Chemnitz 217 frei Parzellen aufweisen, sind dies in Leipzig 1.027 (!). Aber nicht nur in den Großstädten auch im ländlichen Raum gibt es erschreckend hohe Leerstandsraten. Am höchsten ist diese im Kreisverband Döbeln mit 22,58 %.

Robby Müller, Vorsitzender des Stadtverbandes (SLK) betonte, dass der Fokus des Kleingartenwesens in Deutschland nun einmal auf Leipzig gerichtet ist und dass in der Messestadt zukünftig eine Reduzierung der Parzellenanzahl nicht zu verhindern sein wird und schmerzliche Einschnitte für die betroffenen Gartenfreunde mit sich bringen wird. Denn in Leipzig sind ca. 20 % der Bevölkerung mit dem Kleingarten verbunden, während es in Berlin nur 5 % sind.

In seiner Rede erklärte der Vorsitzende des Kreisverbandes (KVL), Frank Müller, dass es für einen koordinierten Rückbau von Kleingärten Möglichkeiten gibt, an Fördertöpfen des Bundes zu partizipieren. Er sieht die heutige Veranstaltung als einen Startschuss für die Erarbeitung konstruktiver Maßnahmen in diese Richtung.

Von mehreren Vereinsvorsitzenden, die das Wort ergriffen, beschrieb Wolfgang Moser die überaus prekäre Situation in seinem Verein „Naturheilkunde Eutritzsch". Allein die Tatsache, dass in keiner Parzelle ein Stromanschluss existiert, degradiert seine Anlage zu absoluter Unattraktivität. Nicht umsonst liegt der Leerstand bei 480 Parzellen bei 27 % und der Altersdurchschnitt der Mitglieder hat inzwischen 62 Jahre erreicht. Potentielle Interessenten waren im Verein nur einmal gesehen.

An diesem Beispiel zeigt sich, dass ein behutsamer Rückbau von Parzellen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten unausweichlich werden wird. Hier müssen alle Betroffenen, Kleingärtnervereine, Stadtverwaltung und Eigentümer, gemeinsam an Lösungen zum Wohle der Allgemeinheit arbeiten und diese praktikabel umsetzen.

Lothar Kurth