20160215 9234Zum ersten der drei Vorträge über kleingärtnerische Schwerpunkte zur Messe "Haus-Garten-Freizeit" begrüßte SLK-Vorsitzender Robby Müller im Pressekonferenzraum knapp 40 interessierte Gartenfreundinnen und Gartenfreunde aus den Kleingärtnervereinen des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner (SLK) sowie des Kreisverbandes Leipzig der Kleingärtner Westsachsen (KVL).

Thema des Vortrags am 15. Februar 2016: "Tomatenanbau im Kleingarten". Referent Rainer Proksch beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Gewächs und hat dazu im Mitteilungsblatt "Leipziger Gartenfreund" zahlreiche Beiträge veröffentlicht.

SLK-Foto: Eröffnung des "ausstellungsbegleitenden Programms" durch SLK-Chef Robby Müller

20160215 9238Eingangs seines Vortrags beschäftigte sich der Fachmann mit der Historie der Pflanze. Die Azteken im heutigen Zentralmexiko und die Maya auf der Halbinsel Yucatan kultivierten die Tomate schon vor mehr als 2.000 Jahren. Auf seiner zweiten Amerikareise brachte Christoph Kolumbus das Gewächs mit nach Europa. Der Name der Tomate leitet sich vom aztekischen "xitomatl" ab.

Die Tomate ist eine "Bio-Bombe" betonte der Referent. Der rote Farbstoff Lycopin ist der Hauptinhaltsstoff. Es stärkt das Immunsystem und ist krebsvorbeugend. Außerdem sind in der Frucht die Vitamine A, B1, B2, C und E sowie Karotin, Kalium und Spurenelemente. 

SLK-Foto: Blick in den Pressekonferenzraum

20160215 9237Gegenwärtig gibt es mehr als 1.000 verschiedene eingetragene Tomatensorten. Nach Schätzungen existieren über 7.000 Sorten in Privatzüchtungen. Ausdrücklich wies Rainer Proksch darauf hin, dass Tomaten zur Lagerung nicht in den Kühlschrank gehören, sondern bei Zimmertemperatur in einer Schale und ohne andere Früchte! Die Temperatur soll nicht unter 12 °C liegen.

Der Referent ging ausführlich auf die Düngung von Tomaten, den Krankheiten und Schädlingen, den Pilzkrankheiten sowie parasitärer Würmer und Insekten ein. Eingehender wies er u.a. auf die Verwendung von Urgesteinsmehl als Bodenaktivator, auf die Blütenendfäule (Mangel an Kalzium), Gelb- und Grünkragen (Sonne, Gießen), die Korkwurzelkrankheit (bei trockenen und nährstoffarmen Böden) sowie die Tomatenminiermotte (seit 2010 in Deutschland) hin. Als optimaler pH-Wert bei Tomatenanbau ist die Spanne 5,5 bis 7,0 - besser 6 bis 7 - einzuhalten.

SLK-Foto: Gartenfachberater Rainer Proksch fesselte die Zuhörer mit exzellentem Wissen

20160215 9240Im zweiten Teil seiner Ausführungen beschäftigte sich der Referent mit dem Freiland-Tomatenprojekt des Teams um Dr. Bernd Horneburg von der Georg-August-Universität Göttingen. Seit 2003 forscht das Team zur Phytophthora-Resistenz.

Im Ergebnis der Untersuchungen aus der Zuchtreihe schälten sich bestimmte Sorten heraus, die zu empfehlen sind und eine hohe Phytophthoratoleranz aufweisen. Zu ihnen zählen z.B. "De Berao" (Baumtomate), "Dorada" sowie "Primabella" (siehe Abbildung). Im Projekt wurden auch Wildtomaten näher "unter die Lupe" genommen und eine sehr gute Resistenz gegen Phytophthora festgestellt.

Rainer Proksch, Abb.: Sortenempfehlung - Primabella

Nach rund 1 3/4 Stunden höchst spannender und optisch wirksamer Wissenvermittlung erntete der Referent von den Anwesenden Beifall und hatte im Anschluss noch einige Fragen zu beantworten. Auch zukünftig steht er zum Thema "Tomate" den Kleingärtnern Rede und Antwort. Der direkte Weg ist ein Besuch in "seinem" Gartenfachberater-Stammtisch Südwest, der in der Anlage der Kleingärtnervereins "Verein für naturgemäße Gesundheitspflege" stattfindet. Die Termine sind zu finden im "Leipziger Gartenfreund" und auf der SLK-Homepage in der Rubrik "Termine / Verbandstermine". 

Lothar Kurth