01 Stadtarchiv Sommer 1024

Auf Sellerhäuser Flur findet man die Anlage des Kleingärtnervereins "Buren" zwischen den Eisenbahntrassen der sogenannten "Leipzig-Hofer-Verbindungsbahn" und der Leipzig-Dresdner-Bahntrasse (anfangs die "Königlich-Sächsische Leipzig-Dresdner Staats-Eisenbahn"). Von der neuen Kohlwegbrücke hat man den besten Einblick auf das Gartenareal, das seit 1902 an dieser Stelle zu finden ist.

Von der Brücke aus ist das Stadtarchiv Leipzig zu erblicken, dessen Fundus für die Chronisten in den Vereinen und Traditionsbewußte eine sehr ergiebige Fundgrube darstellt (Foto rechts). Im Stadtverband können sich Interessenten hierzu informieren.

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Das Stadtarchiv Leipzig zog 1994 in das umgebaute ehemalige Fabrikgebäude, das als Erweiterungsbau der 1881 gegründeten Chemikalienfabrik von Dr. G. Langbein (später VEB Galvanotechnik Leipzig) errichtet wurde, an der Torgauer Straße um. Hier stehen 5.000 m² Magazinfläche zur Verfügung gegenüber dem Stadthaus mit 800 m².

Im Stadtarchiv sind die Unterlagen aller städtischen Ämter, der städtischen Einrichtungen und Eigenbetriebe sowie der unter städtischer Verwaltung stehenden Stiftungen untergebracht. Der Bestand beläuft sich auf über 600.000 Archivaleinheiten (Akten, Karten, Pläne, Stadtbücher, Urkunden), darunter der Stadtbrief über die Verleihung des Stadtrechts von 1165. Wertvoll ist die Zeitungssammlung, die von 1730 bis in die Gegenwart reicht und fast alle bedeutenden Presseorgane umfaßt.

Von der Kohlwegbrücke schweift der Blick südwärts zur Kreuzung Eisenbahnstraße / Torgauer Straße, an der 1994/95 das "Center am Torgauer Platz" entstand. Ein Komplex mit großflächigen Gewerbeansiedlungen. Prägend und weithin sichtbar ist die bei Neubauten im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts übliche "Keksrolle" als Dominante.

03 Baumarkt 1024

Den Kleingärtnerverein gründeten Naturverbundene aus Volkmarsdorf und Sellerhausen im Jahr 1902. In der Gaststätte „Silberpappel“ in Volkmarsdorf (Ecke Eisenbahn-/Hildegardstraße) fanden sich 18 Gartenbesitzer am 23. März 1902 zusammen und gründeten den Verein zunächst unter dem Namen "Colonie Schütz".

Zu jener Zeit endete der dreijährige Burenkrieg im südlichen Afrika. Das zahlenmäßig überlegene britische Militär brannte, neben den bewaffneten Kämpfen, die Farmen der Buren nieder und verschleppten ca. 120.000 Frauen und Kinder in Lager, wo über 20.000 durch Krankheiten und an Hunger starben. Die Briten besetzten den Oranje-Freistaat und Transvaal.

Die Buren waren die Nachfahren niederländischer Einwanderer und deshalb bedeutet Buren zu deutsch Bauern. Aus Solidarität mit den Buren gaben die Gründungsväter dem Verein 1902 diesen Namen (Foto links: Die "Burenhütte").

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die nunmehrige Kleingartensparte umbenannt in die "richtungsweisende" Bezeichnung "Fortschritt Nordost". Den Herrschenden in der DDR war der Name wohl suspekt, da die Apartheitspolitik der Regierenden in Südafrika gegen die schwarze Bevölkerung äußerst brutal praktiziert wurde und man den Namen Buren damit gleichsetzte. 1990 erhielt der Kleingärtnerverein seinen ursprünglichen Namen "Buren" zurück. *)

*) Anmerkung: In Fahrplanaushängen der LVB sind noch Stadtplanauszüge im Umlauf, in denen noch "Fortschritt Nordost" zu lesen ist !