2013 04 Sadebaum poetschkeGeschichte: Der Sadebaum war früher in der Volksmedizin ein beliebtes Mittel, um Abtreibungen vorzunehmen. Da der Baum in allen Teilen giftig ist, kam es jedoch häufig zu Todesfällen. Bock erwähnt in seinem Kräuterbuch, dass die „Pfaffen pflegen auf dem Palmsonntag den Sevenbaum mit anderen grünen Gewächsen zu weihen" (Palmenweihe zur Abwehr böser Geister von Haus und Hof). Hildegard von Bingen empfahl ihn gegen Geschwüre, Würmer und bei Lungenleiden.

Foto: http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Juniperus_sabina_cult1.jpg - www.poetschke.de

 

Vorkommen: Beheimatet ist der Sadebaum in Nordasien, im Nordwesten Afrikas sowie in Süd- und Mitteleuropa (hier als Hochgebirgspflanze in den Alpen). In unseren Kleingartenanlagen findet man ihn als Zierpflanze.

Beschreibung: Bis 2 m hoher, immergrüner Strauch mit liegendem oder aufsteigendem Stamm. Dachziegelartig anliegende, schuppenartige Nadeln mit einer Drüse auf der Unterseite, die unangenehm riecht oder abstehende Nadeln zu drei Stück in Quirlen. Der Sadebaum hat männliche und weibliche Blüten, hängende Beerenzapfen schwärzlich, blau bereift, schwach erbsengroß, darin 1 bis 4 glänzend braune Samen mit winzigen Höckern.

Ähnliche Vertreter: Durch den unangenehmen Geruch ist der Sadebaum von ähnlichen Arten zu unterscheiden. Der Virginische Wacholder hat einen vergleichbaren Wirkstoffgehalt. Weitere Kulturarten unterscheiden sich vor allem in der Wuchsform und Größe (sowohl niedrige, bodendeckende als auch bis 6 m hohe).

Blütezeit: April bis Mai

Giftige Teile: Alle Pflanzteile, besonders jedoch die jungen Zweigspitzen, Nadeln und Beerenzapfen.

Giftige Wirkstoffe und Toxizität: Vorwiegend ätherisches Öl mit den Monoterpenen Sabinen, Sabinylacetat und Sabinol. In den Nadeln zusätzlich Podophyllotoxin. Das ätherische Öl ist in den Zweigspitzen bis zu 5 % und in den Beerenzapfen bis zu 3 % enthalten. Giftig wirkt schon etwa 1 g der Zweigspitzen!

Symptome: In ca. 30 % der Vergiftungen zunächst starker Speichelfluss, Erbrechen, Durchfall und Krämpfe, später können je nach Schwere der Vergiftung Herz und Kreislaufprobleme, blutiger Urin und Lähmungserscheinungen folgen. Bei empfindlichen Personen durch Berührung (z.B. beim Schneiden der Zweige) schwere Hautreizungen bis zur Blasenbildung möglich.

Erste Hilfe: Aufgenommene Pflanzenteile ausspeien, Mundraum reinigen und reichlich trinken. Abwaschen der betroffenen Hautpartien unter fließendem Wasser.

Kleingärtnerischer Hinweis: Der Sadebaum ist eine Wirtspflanze für den Birnengitterrost und gehört deshalb nicht in den Kleingarten!

Olaf Weidling - Gartenfachberater der Fachkommission des Stadtverbandes