2013 09 Seidelbast-gr botanikus.deWeitere Bezeichnungen zu dieser Pflanze sind: Kellerhals, Pfefferstrauch, Brennwurz, Beisbeere. Alle Wildwachsenden Exemplare europäischer Arten sind geschützt.

Geschichte: Schon 400 v.Chr. wurden Seidelbastsamen als "knidische Körner" in den Hippokratischen Schriften erwähnt. Im 1. Jh. n.Ch. beschrieb Dioskurides, ein griechischer Arzt und Pharmakologe, die Pflanze in seiner "Materia medica", einem aus fünf Büchern bestehenden Handbuch der abendländischen Medizin. Auch nördlich der Alpen war der Gemeine Seidelbast schon früh bekannt. Der Name Zeidelbast oder Zeiland ist auf den germanischen Gott Ziu zurückzuführen, dem der Strauch, den die alten Germanen "Ziolinta" nannten, geweiht war. Vielleicht geht der Name aber auch auf den germanischen Gott Tyr zurück, denn manche dänische Namen für Seidelbast deuten darauf hin: Tyvidir, Tyed, Tyswed.

Foto: Gemeiner Seidelbast, www.botanikus.de

Man brauchte ihn in den vergangenen Jahrhunderten als Essigwürze und Abführmittel, gegen Wassersucht, Melancholie, Herzensschwäche sowie gegen Geschwüre. Die Rinde des Gemeinen Seidelbastes legte man in Essig ein und verwendete sie auch als Zugpflaster. Die getrockneten Früchte wurden gegen Halsschmerzen genommen. Der Name Kellerhals leitet sich davon ab, dass eine zerkaute Beere im Hals ein Kellen (mittelhochdeutsch für Quälen) bewirkt. Aufgrund der starken Giftigkeit und der stark hautreizenden Wirkung ist allerdings von einer solchen Anwendung abzuraten. Die medizinische Verwendung von Zubereitungen aus dem Seidelbast bleibt heute auf die Homöopathie begrenzt. Bettler fügten sich früher mit Seidelbast hässliche Hautwunden zu, um damit Mitleid und somit Spendenbereitschaft bei der Bevölkerung zu wecken.

Vorkommen: Häufig trifft man diese Pflanze in Laubwäldern an. Sie ist auch ein Zierstrauch, der häufig in unseren Kleingärten zu sehen ist.

Beschreibung: Der Seidelbast ist eine 40 bis 150 cm hohe Pflanze, ein sommergrüner Strauch mit grau-hellbraunen, wenig verzweigten Ästen. Seine Blätter sind 8 cm lang, länglich verkehrteiföfmig, ganzrandig, gehäuft an den Zweigen. Blüten im sehr zeitigen Frühjahr vor den Blättern erscheinend, rosa-rot, 4-ziplig, in dichter Folge an den Zweigen sitzend.

Blütezeit: März bis April

Früchte: rot, eiförmige beeren sie sind erbsengroß, mit einem großen, braunen Samen. Fruchtreife: ab Juni

Ähnliche Vertreter: Auch Zierformen mit weißen Blüten und gelben Früchten. Mehrere Arten, auch niedrige, meist in Gebirgsregionen verbreitete Arten, mit weißen, gelben oder roten Blüten als Zierformen kultiviert. Alle mit giftigen Inhaltsstoffen!

Giftige Teile: Alle Pflanzenteile außer dem roten Fruchtfleisch.

Giftige Wirkstoffe und Toxizität: Die Haupt Wirkstoffe sind das Mezerein (ein Terpen), das vorwiegend in den Samen (0,04%) vorkommt und das Daphnetoxin, das in der Rinde überwiegt. Tödlich können für den Erwachsenen 10 Beeren mit zerbissenen Samen sein (!), für Kinder weniger.

Symptome: Diese treten in etwa 15 % der Vergiftungsfälle 15 Minuten nach der Pflanzenaufnahme ein. Das Mezerein bewirkt extremes Brennen mit Blasenbildung im Mund. Ebenfalls äußern starke Reizung der Rachen- und Magenschleimhaut, Übelkeit, Erbrechen und starker, z.T. blutiger Durchfall, starker Speichelfluss, Schluckbeschwerden und Durst. Bei schweren Vergiftungen folgen Herz-Kreislauf-Probleme, Krämpfe und Kollaps. Diese Symptome können nach Beerenaufnahme nur bei zerbissenen Samen auftreten, wobei diese Frage bei Kleinkindern kaum zuverlässig beantwortet werden dürfte! Bei Hauteinwirkung schnelle Rötung, Schwellung und starke Blasenbildung durch das Mezerein.

Erste Hilfe: Teile der Pflanzen aus Mund- und Rachenraum beseitigen und sehr viel trinken. Betroffene Stellen auf der Haut ausgiebig unter fließendes Wasser abwaschen.

Hinweise: Trotz des scharfen Geschmacks aller Pflanzenteile werden von Kindern besonders die attraktiven Beeren und Blüten aufgenommen, wobei zumeist ungeklärt bleibt, ob die Samen zerkleinert wurden. Deshalb zügige Vorstellung beim Arzt oder Notarzt, da lebensgefährliche Symptome nicht auszuschließen sind. Bei Symptomen auf der Haut Konsultation eines Hautarztes.

Olaf Weidling - Gartenfachberater der Fachkommission des Stadtverbandes