"Das Land ist viel zu kostbar - es wird nicht verkauft!!"

20120523 Jo1832 SternwartenwegAngesichts der derzeitigen Informationen in Presse und sonstigen Medien, wirkt diese Aussage wie aus den letzten Tagen, ist aber schon 180 Jahre alt und jung wie nie zuvor.

Dieser historisch verbürgte Spruch stammt von keinem Geringeren als dem Leipziger Stadtrat Dr. Moritz Seeburg, einem der Gründerväter der Leipziger Kleingartenanlage Johannistal als Antwort auf Fragen von Grundstücksinteressenten (heute wohl eher Spekulanten). 

Vereins-Fotos: Das Johannistal präsentiert sich im satten Grün des Frühlings und den neuen Rasenkanten

Sie wurde als sogenannte Armengartenanlage konzipiert, was sie aber zu keinem Zeitpunkt wirklich war. Doch fleißige Kleingärtner waren es, die zu jeder Zeit dafür sorgten, dass man sich sehen lassen konnte. Nur damit haben wir die „Wehen“ der Zeiten überstehen können. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg sollten die Innenstadttrümmer das Tal für immer zuschütten. Die Zeit des Sozialismus brachte noch einmal schwere Stunden und Einschnitte in das Tal. Nun aber hoffen wir, diese Epochen überstanden zu haben und das Johannistal wird immer grün bleiben.

Auch das Johannismännchen, als Symbolfigur des „Tales“ (eine Holzskulptur, Johannes den Täufer mit dem Lämmchen auf dem Arm darstellend) ist zu jedem Johannisfest präsent, die übrige Zeit kann man es im Deutschen Kleingärtnermuseum als Dauerleihgabe besichtigen.

Ja, wie in dem landläufigen Spruch: „Kinder wie die Zeit vergeht“, so gingen auch die Jahre dahin und heute wird nun diese legendäre Kleingartenanlage inmitten des Leipziger Zentrums bereits 180 Jahre. Eine wirklich unvergessene Jubiläumsfeier anlässlich des 175. Geburtstages ist bereits Geschichte und doch ganz lebendig bei allen Beteiligten. Nun haben wir einen großen Geburtstag, der wieder hauptsächlich unserer Tradition folgend ein Kinder- und Sommerfest ist.

Fleißig wurde in den vergangenen Jahren an der Erhaltung und Erneuerung gearbeitet, um auch dem Anspruch gerecht zu werden, eine grüne Oase inmitten einer pulsierenden Großstadt zu bleiben. Wege und Plätze wurden verschönert, der Hauptwasseranschluss erneuert, Außenzäune repariert und neu gestaltet und viele wichtige organisatorische Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeit getroffen. Auch eine Ergänzung der umfangreichen Chronik des Johannistales wurde pünktlich zum Jubiläum vorgelegt.

Jeder, der sich heute über uns informieren möchte, kann das bereits in unserem Internetauftritt tun. Doch lieber sehen wir es, wenn Sie uns besuchen, denn die Anlage ist zu allen Zeiten geöffnet. Dass sich inzwischen die Universität Leipzig mit geschlossenen Zaunfeldern etwas „abgenabelt“ hat, schadet uns nicht. Jedoch die Beschäftigten der Universität, ihre Patienten und Besucher müssen nun einen längeren Weg in Kauf nehmen, um in die Anlage zu gelangen. Dies hat aber unserer Popularität und dem Besucherstrom keinen Abbruch getan.

Auch einen „Regierungswechsel“ hat es inzwischen im Verein gegeben. Unser langjähriger Vorsitzender übergab nach 10 Jahren Amtstätigkeit den Staffelstab an seinen bisherigen „Zweiten“. Hat das überhaupt jemand gemerkt? Kaum, denn mehrere gemeinsame Jahre der Arbeit haben dafür gesorgt, dass es nahtlos weitergegangen ist. 

20120523 Jo1832 SpendenkanneNun hat unser eigener „König Kurt“ schon einige Jahre das Zepter fest in der Hand. Seine Größe (190 cm) und sein Auftritt sind unübersehbar. Unser Kurt Neugebauer hat vom ersten Tag an keinen Zweifel daran gelassen, alles dafür zu tun, dass unser „Tal“ auch die nächsten Jahrzehnte gut überstehen wird. Nun hat er auch gleich in diesem Jubiläumsjahr selbst sein 50. Jubiläum als Erdenbewohner.

Über die polytechnische Oberschule, die Maschinenbauerlehre und den Wehrdienst kam er zu seiner heutigen Tätigkeit als Eventmanager, Werbeberater und Kundenbetreuer für Sicherheitsfragen. Seine Liebe zum Gärtnern wurde schon im ländlichen Haushalt in Markranstädt angeregt, in dem er mit seinen zwei Geschwistern von seiner Mutter und dem Vater gut umsorgt aufgewachsen ist.

 

Auch seine zwei Töchter sind inzwischen wohlversorgt. Den Garten braucht er unbedingt, weil er sich an dem Wachsen und Blühen und dem herrlichen Grün des Tales nach getaner Arbeit erfreuen kann und auch einen Ausgleich zum täglichen Stress benötigt. Gemütlich und verträglich ist er, das wissen alle zu schätzen. Nur eines kann er nicht leiden, Unzuverlässigkeit und Unpünktlichkeit. Da sein „Tagesjob“ auch immer organisieren und verändern heißt, ist es auch nicht verwunderlich, dass er Gleiches in unserem Johannistale auch dann im „Hobbybereich“ umsetzt.

Wir wollen ihm an dieser Stelle herzlich danken für die bisherige gute Arbeit im Ehrenamt, gute Gesundheit wünschen und hoffen, dass er auch die Festrede zum zweihundertsten Geburtstag des Johannistales noch als Vorsitzender halten wird.  

Winfried Heydel, Wolfgang Preußler - Kleingärtnerverein "Johannistal 1832" e.V. Leipzig