Hallo, hier ist wieder der "Garten-Olaf"

Heute werde ich mich wie versprochen dem „ewigen" Thema Obstbaumschnitt im Kleingarten widmen. Leider stelle ich immer wieder fest, dass unsere Kleingärtner recht wenig über den Obstbaumschnitt wissen. Oft sehe ich, dass Gartenfreunde ihre Obstbäume wie Pinien schneiden, damit sie „schön" aussehen. Bei diesem „Verschönerungsschnitt" werden aber die fruchttragenden Triebe oftmals rigoros abgeschnitten. Der Sinn der Sache ist jedoch, dass wir im nächsten Jahr gesunde Früchte ernten. Mit dieser Schneidmethode werden Sie aber keinen Erfolg haben, Sie schaden eher dem Obstgehölz. Wie ein Gehölz auf den Schnitt reagiert, ist auch vom Zeitpunkt des Schnittes innerhalb des Jahres  abhängig. Nach dem Schnitt muss der Obstbaum die Wunden überwallen und neu austreiben. Es lässt sich natürlich besser schneiden, wenn der Obstbaum ohne Blattwerk ist, denn so kann man die Krone besser überblicken. Das Steinobst reagiert jedoch im Winter empfindlicher auf dem Schnitt. Im Gegensatz zum Kernobst verheilen die Wunden schwerer.

Folgende Regeln beim Schnitt der Obstgehölze müssen Sie beachten:

Kern- und Beerensträucher können im Vorwinter und auch im Winter geschnitten werden. Bitte beachten Sie die Außentemperatur, die nicht unter –5° C fallen darf. Darunter werden die Schnittstellen durch den Frost geschädigt.

Steinobst schneidet man nach der Ernte sowie im Frühjahr ab Anfang März. Während dieser Zeit verheilen die Wunden sehr schnell, so dass es Pilze kaum schaffen, die Rinde zu infizieren. Der Wuchs des Obstgehölzes ist über die Jahre hinweg so zu „steuern", dass Ast- und Blattwerk möglichst viele aromatische Früchte hervorbringen.

Der erste Schritt dafür ist, wir schneiden zuerst alle Triebe, die nach innen wachsen, an der Basis - dort wo der Trieb herauswächst - ab, um dafür zu sorgen, dass Licht und Luft in alle Kronenpartien gelangen, damit sich dort auch Früchte bilden können und nicht nur an den sonnigen Stellen.

Der nächste Schritt: Schneiden Sie älteres Holz bis auf einen jungen Trieb zurück. Aus diesem kann sich dann frisches Fruchtholz entwickeln. Achten Sie darauf, dass der jüngere Trieb immer nach außen zeigt! Das nennt man auf Auslage schneiden. Triebe, die steil nach oben wachsen, entfalten fast keine Blüten und somit kaum Früchte. Man sollte diese Triebe, die nicht benötigt werden, wegschneiden und das immer an der Basis!

Man kann diese steil nach oben wachsenden Triebe so erziehen (Fachausdruck), dass sie zur Fruchtbildung verwendet werden können. Bringen Sie diese Triebe in einen Winkel von 45 Grad, indem ein Gewicht am Ast befestigt wird, bis das Dickenwachstum am Ende des Astes vorangeschritten ist. Der Trieb bleibt dann in dieser Stellung, das Gewicht wird entfernt und der Trieb ist bereit, neues Fruchtholz zu bilden.

Wie schon oben beim „Pinienschnitt" erwähnt, machen viele Gärtner den Fehler, die neuen Triebe einzukürzen, weil sie es nicht anders kennen! Was passiert bei dieser Einkürzung? Sicher wird es der eine oder andere selbst festgestellt haben, dass nach der Einkürzung an der Schnittstelle drei neue Triebe wachsen. Bei derart unbedarftem Agieren am Gehölz können sich die Triebe explosionsartig vermehren. Ihr Obstbaum wächst zu, weil die Endknospe - man nennt sie auch Terminalknospe - entfernt wurde. Denken sie immer daran bei einem Schnitt diese Endknospe am Trieb zu belassen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass man die Konkurrenztriebe nicht abschneidet. Wenn man diese am Baum stehen lässt, hat man immer zwei Kronen vorrätig. Das ist eine Selbstschutzmaßnahme des Baums, falls einer von beiden krank wird. Konkurrenztriebe sind meist gleich lang. Man schneidet immer den nach innen wachsenden weg!

Eine alte Gärtnerregel besagt für den Wegschnitt stärkerer Äste: Der Schnitt muss so dicht an der Basis erfolgen, dass kein Hut an den verbleibenden Zapfen aufgehängt werden kann.

Ihr Werkzeug muss bei den Schnittmaßnahmen immer scharf sein und ist nach dem Gebrauch zu reinigen. Liebe Gartenfreunde, befolgen sie all diese Ratschläge. So wird Ihr Obstbaum immer in voller Blüte stehen. In der nächsten Ausgabe werde ich u.a. über die Lagerung von Obst und Gemüse berichten.

Bis dahin grüßt Euch der Garten Olaf