2012 04 BaumruineHallo, hier ist wieder der „Garten-Olaf“. Bei meinen Fachberaterstreifzügen durch die Kleingartenanlagen stiegen mir die Haare zu Berge! Was ich da so gesehen habe, ist schon Frevel am Kleingarten.

An erster Stelle steht leider der Obstbaumschnitt. Was da alles falsch oder gar nicht geschnitten wurde, spottet jeder Beschreibung! Meiner Meinung nach haben die Gartenfreunde wenig bis gar kein Wissen über den Obstbaumschnitt.

Wenn man solche Obstbäume sieht, nach dem Schnitt, blutet einem das Herz. Bei diesen Exemplaren wurden von vornherein durch Unwissenheit alle Fruchttriebe weg geschnitten. Wo sollen hier Früchte wachsen?

Foto: SLK

Ich hatte bei meinen Streifzügen auch Glück und sah schon von weiten wie ein Kleingärtner seinen Obstbaum schneiden wollte. Ich ließ ihn erst einmal schneiden, dabei fing er an, seine neuen Fruchttriebe zu entfernen. Ich sagte zu ihm: „Was machst du denn da, du schneidest doch dein ganzes Obst weg“. Er stutzt, das würde er immer so tun, sein Großvater hat das ihm so beigebracht, dass man immer drei Augen stehen lassen solle. Für solche Zwecke habe ich ein Fachbuch von 1960 dabei, dass passt in meine Seitentasche und sagte ihm: „Hier steht nichts von auf drei Augen zurückschneiden“. Ich erklärte dem Gärtner wie man richtig schneidet und am Ende waren alle zufrieden. Bitte Merken! Entweder schneidet man einen Trieb an der Basis ab oder man lässt ihn dran. Starker Rückschnitt - starker Austrieb. Wobei man bedenken sollte, dass die Triebe auf 45 Grad heruntergebogen werden, indem man ein Gewicht daran hängt. Das fördert die Fruchtblütenbildung. Im Stadtverband Leipzig der Kleingärtner findet jedes Jahr im November ein Seminar über Obstgehölzeschnitt statt. Dort können sich Interessenten über Ihren Vorstand anmelden. Es gibt aber auch Kleingärtner, die haben den Obstbaumschnitt begriffen. Auf meinen Streifzügen entdeckte ich auch, dass viele Kleingärtner die Verkehrssicherungspflicht nicht einhalten.

Und da komme ich immer wieder auf unseren wunderschönen Rosen zu sprechen. Ich stelle mir dabei vor, dass ich noch ein Kleinkind im Wuchs von 80 cm wäre. Wie wir alle wissen, unsere Kinder schauen nicht nach links oder rechts beim Herumtollen. Dabei denke ich an die Rosentriebe, die aus dem Gartenzaun heraus schauen. Schnell hat sich ein Kind beim Tollen einen Dorn ins Auge gestochen. Und dann ist das Geschrei groß. Also müssen wir unser Verkehrssicherungspflicht einhalten und die Rosen am Gartenzaun schneiden. Wenn ich schon beim Schneiden von Rosen bin, zuerst die durch den Frost geschädigten Zweige zurück schneiden. Beetrosen und Edelrosen schneidet man auf drei bis sechs Augen zurück, aber immer auf einen Auge nach außen. Strauchrosen um ein Drittel. Kletterrosen anbinden und die Wildtriebe entfernen. Wildtriebe sind an der siebenfachen Fiederung der Blätter zu erkennen.

Bei meinen Wanderungen durch die Anlagen stellte ich u.a. fest, dass wieder mehr Gemüse angebaut wird. Was ich empfehlen kann, ist eine Mischkultur von verschiedenen Gemüsepflanzen auf einen Beet - das sogenannte Mischbeet. So kann man z.B. Zwiebel neben Möhren stecken. Da haben die Schädlinge, wie Zwiebelfliege und Möhrenfliege, keine Chance das Gemüse zu schädigen.

Die verschiedenen Pflanzen einer Mischkultur entnehmen dem Boden unterschiedliche Nährstoffmengen und geben selber verschiedene Substanzen aus ihrem Stoffwechsel an den Boden ab. So entsteht ein Wechselspiel aus Geben und Nehmen. Die Wurzelausscheidung und die Düfte der Pflanzen spielen ebenfalls eine große Rolle für die Nachbarschaft. Manche Pflanzen gehen ein oder verkümmern, wenn sie nebeneinander wachsen sollen. Für einen wohligen Geschmack für Nachbarpflanzen wäre z.B. Frühkartoffeln mit Kümmel zueinander pflanzen.

Günstige Kombinationen:

Buschbohnen: Bohnenkraut, Endivie, Salat und Radieschen

Kohl: Sellerie und Tomaten (Schutz gegen Erdflöhe, Kohlfliege, Rauben und Sellerierost).

Mangold: Bohnen, Möhren, Radieschen, Rettich und Salat

Ungünstige Kombinationen:

Bohnen mit Erbsen, Knoblauch, Möhren, Porree, Tomaten und Zwiebeln

Kartoffeln mit Erbsen, Gurken, Sellerie, Tomaten und Zwiebeln

Ins Frühbeet können jetzt rote Beete, Lauch, Gurken und Kürbis ausgesät werden. Angetriebene Kartoffeln können jetzt gelegt werden. Meine Kartoffeln haben schon Wurzeln geschlagen, damit sie besser in der Erde anwachsen. Ins Freiland können Erbsen, Würzkräuter und Möhren ausgesät werden.

Meinen Gemüseanbau verlege ich auf ein Hochbeet. Darüber berichte ich in der Mai- Ausgabe. Ihr werdet staunen, was man mit einen Hochbeet alles anstellen kann. So meine lieben Gartenfreunde, das wäre es für diesen Monat.

 Ihr Olaf Weidling - Gartenfachberater der Fachkommission des SLK