Hallo, hier ist wieder der „Garten-Olaf“.

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Nach vielen Anfragen von Kleingärtnern in den letzten Monaten zum Obstbaumschnitt möchte ich nochmals Wesentliches nennen. Jahr um Jahr steht der Gartenfreund vor seinem Obstgehölz und rätselt stets, an welcher Stelle er nun beginnen solle. Im Sprachgebrauch eines Großteils der Kleingärtner ist der Ausdruck „Bäume verschneiden“ geläufig. Diesen Begriff wörtlich genommen, haben viele Bäume auch das Aussehen, bis hin zur radikalen „Verstümmelung“. Der Obstbaumschnitt ist alljährlich ein wiederkehrendes Thema, zumal neue Gartenfreundinnen und Gartenfreunde Gefallen am Kleingärtnern finden, denen die Grundlagen fehlen.

SLK-Foto: Fachberater Ralf Hesse erläutert anschaulich sein Vorgehen beim Schnitt

2018 02 SLK 9641Vorab, sollte Ihnen am Ende meiner Erläuterungen noch immer alles wie ein „Buch mit sieben Siegeln“ erscheinen, kommen Sie doch einfach auf der Messe „Haus-Garten-Freizeit“ an den Stand der Leipziger Kleingärtner (10.-18. Februar). Hier erfahren Sie alles zum Obstbaumschnitt – theoretisch und praktisch. Haben Sie auch keine Scheu Fragen zu stellen.

Als Gartenfachberater und Wertermittler des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner (SLK) bin ich permanent in den Kleingartenanlagen anzutreffen. Meine Vor-Ort-Eindrücke bestätigen, dass der Obstbaumschnitt „ein absolutes Stiefkind“ ist, d.h. er wird vernachlässigt oder findet gar nicht erst statt. Nachholbedarf ist also vonnöten!

Ein richtiger fachgerechter Schnitt ist für die Obstgehölze wie eine Verjüngung. Er formt das Astwerk, lenkt die Saftströme und fördert Blütenreichtum sowie Ernteertrag der Obstbäume.

SLK-Foto: Die Nutzung des richtigen Werkzeugs erleichtert das Arbeiten ungemein

Das Frühjahr ist der optimale Zeitraum für den Schnitt der Obstgehölze. Durch wärmere Winter treiben Bäume meist früher aus als üblich. Deshalb ist es ratsam, den Wetterbericht zu verfolgen und nicht zu spät mit dem Obstbaumschnitt zu beginnen.

Folgende grundlegende Fakten sollte man kennen und beherzigen: 

  • Entfernen alter, kranker oder abgestorbener Triebe. Dies sorgt für eine sichtbare Erholung des Obstbaumes und eine kontinuierliche Versorgung mit Nährstoffen.
  • Ein gezielter Schnitt macht den Obstbaum widerstandsfähiger gegenüber Pilzbefall und Krankheiten.
  • Durch den Schnitt verbessert sich ebenso die Qualität der Früchte, die an älteren Bäumen oft klein ausfallen.
  • Ein regelmäßiger Schnitt fördert die bessere Belichtung der Triebe und verbessert dadurch die Fruchtqualität.
  • Ein früher Ertragsbeginn belohnt einen sachgemäßen Obstbaumschnitt. Auch erhöhen sich Leistungsfähigkeit und Lebenszeit der Gehölze.

Wie lichte ich meinen Obstbaum aus?

  • Zuerst werden alle konkurrierenden Triebe im Baum entfernt (Triebe sind meist gleich lang – Astgabel).
  • Danach werden die Triebe, die nach innen wachsen herausgeschnitten.
  • Ebenso alle Äste, die sich gegenseitig berühren.
  • Alle Triebe, die geschnitten werden, sind immer an der Basis abzutrennen und nicht einzukürzen. Wenn Sie einen Trieb einkürzen, bildet sich automatisch ein neues Gerüst (drei neue Triebe). Also merken: Entweder man schneidet einen Trieb an der Basis ab oder man lässt ihn dran.
  • Dabei ist zu beachten, dass man diesen Trieb nun auf 45° herunterbiegt. Dazu wird ein passendes Gewicht befestigt. Diese Verfahrensweise fördert die Bildung von Fruchtblüten.

Schnittgesetze: Unbedingt sollten sich Kleingärtner in einer „Mußestunde“ mit diesen intensiv befassen, denn jeder Schnitteingriff an einem Obstbaum wirkt sich auf Umfang und Stärke des Austriebes aus. Die Gehölze reagieren, wenn Triebe oder Äste weg- bzw. zurückgeschnitten werden.

Schnittauswirkungen:

  • Durch einen starken Rückschnitt der gesamten Krone wird ein kräftiger Austrieb gefördert. Ein schwacher zieht demnach einen schwachen Austrieb nach sich.
  • Wird in einer Krone ein Teil stark und der andere Teil schwach zurückgeschnitten, so kehren sich die Wirkungen um. Der schwach geschnittene Teil treibt stärker, der stark geschnittene Teil schwächer aus. Die durch den Schnitt verursachte Asymmetrie der Krone wird verstärkt.

Werkzeuge:

  • Alle Werkzeuge, die man beim Obstbaumschnitt nutzt, müssen scharf und sauber sein.
  • Sie müssen verletzungssicher in der Hand liegen und gut zu führen sein.
  • Äste die geschnitten werden, komplett entfernen und keine Aststümpfe stehen lassen.
  • Je mehr Schnittstellen entstehen, desto mehr Wunden hat der Baum. Es ist besser, ganze Astpartien zu entfernen, als immer wieder einzelne Äste zu schneiden.
  • Größere Schnittwunden sollten zur Abwehr von Krankheiten und Infektionen versiegelt werden. Es eignet sich Latex oder ein spezielles Wundverschluss-Mittel.

Abschließend noch ein guter Tipp: Jedes Jahr werden im SLK bis zu 23 Gartenfreundinnen und Gartenfreunde im „Baumschnittseminar“ geschult. Nächster Termin: 1. März (Theorie), 3. und 10. März 2018 (Praxis). Anmeldungen werden in der SLK-Geschäftsstelle gern entgegengenommen. 

Nach diesem Seminar sollte der Baumschnitt wesentlich besser in den Kleingartenanlagen zum Tragen kommen und sich die Schnittfehler reduzieren. Das wünscht sich

Euer "Garten-Olaf"