2017 06 Weidling Olaf SommerrissHallo, hier ist wieder der „Garten-Olaf“.

Jetzt ist der Zeitpunkt für den sogenannten Sommerriss gekommen. Immer wieder muss ich feststellen, dass ich beim Nennen dieses Begriffs in ungläubige Augen schaue und sinngemäß höre, „… was ist das denn …“.

Foto - Olaf Weidling: Der Sommerriss praktiziert

Unter dem Begriff Sommerriss an Obstgehölzen verbirgt sich kurz gesagt, das Entfernen überflüssiger Jahrestriebe mit Auswirkungen auf Wuchs und Ertrag.

Der Obstbaum erzeugt im Juni seine größte Blattmasse mit einer hohen Assimilationsrate, die für eine enorme Wuchskraft verantwortlich ist. Somit ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den Sommerriss. Zwei wichtige Ziele werden dabei erreicht:

1. Das Triebwachstum lässt sich begrenzen, wodurch die Bildung von Blütenknospen gefördert wird.
2. Die Nährstoffvorräte kann der Obstbaum besser ausnutzen, wenn man unerwünschte Neutriebe – die spätestens beim Winterschnitt zu beseitigen wären – frühzeitig entfernt.

Den genauen Zeitpunkt für einen Sommerriss hat die Natur im Grunde selbst vorgegeben, man muss es nur wissen. Im Zeitraum von Anfang Mai bis Anfang Juni wird das Längenwachstum der Triebe gefördert. Danach verlangsamt sich dieser Prozess und das Dickenwachstum am Trieb setzt ein. Wie bereits erwähnt, werden beim Sommerriss die überflüssigen Jahrestriebe beseitigt und dies sollte bis zum Abschluss des Triebwachstums um Johanni (24. Juni) geschehen.

Die Triebe können herausgerissen werden, die nach innen wachsen, sich überkreuzen oder sonst dem Kronenaufbau nicht dienlich sind. Sie sind noch grün und lassen sich leicht schräg gegen die Wuchsrichtung reißen.

Hierzu gehören auch die Wasserschosser oder oben auf einem waagerecht stehenden Ast sitzende Reiter. Bei starkwüchsigen Bäumen oder als Folge eines starken Rückschnitts, kann es auf den Oberseiten der Äste zur Ausbildung senkrecht wachsender Wasserschosser kommen, die die Krone sehr stark verdichten.

Durch das Reißen entstandene Risswunden verheilen rasch und durch das Reißen entfernt man gleichzeitig die Schlafenden Augen (oder Schlafende Knospen), die nach dem Schnitt wieder austreiben würden.

Wer etwas ängstlich oder unentschlossen ist, nimmt ein scharfes Messer und ritzt unterhalb des Triebes ein. Dadurch reißt die Rinde nur bis zum Einschnitt und man erreicht, dass keine größeren Wunden entstehen. Probieren Sie es aus und lernen Sie wieder etwas dazu. Ich wünsche viel Erfolg beim Sommerriss,

bis zum nächsten Mal der „Garten-Olaf“