Hallo, hier ist wieder der „Garten-Olaf“.

Wie versprochen, möchte ich mich im zweiten Teil über die Kartoffel zu den Ernteterminen, der Lagerung und der Historie einer unserer wichtigsten Ernährungsgrundlagen widmen.

Die Kartoffeln (Solanum tuberosum) gehören, wie Tomaten, zur Familie der Nachtschattengewächse. Bei den für den Verzehr genutzten Knollen handelt es sich um Teile des Sprosses, also um Sprossknollen. Die Knollen weisen einen Nabel und ein Kronenende auf. Am Nabelende war die Knolle während des Wachstums über einen unterirdischen Seitentrieb – den Stolon – mit der Kartoffelpflanze verbunden. Am Kronenende der Knolle liegen vor allem die als Auge bezeichneten Seitensprossanlagen.

Nach Beendigung der Keimruhe treiben aus den Augen die neuen Keime aus. Erfolgt die Keimung bei Belichtung, bilden sich typische Lichtkeimer, die an Hand ihrer Form und Färbung zur Bestimmung und Unterscheidung der Sorten genutzt werden können.

Wird die Kartoffel im Keller ohne Licht gelagert, so treiben die Knollen in kurzer Zeit lange Keime, sogenannte Dunkelkeime. Diese zehren die Knolle nach und nach aus und sie vertrocknet. An unseren Kartoffeln kommt es zu Blüten und Fruchtbildungen.

Die Blühneigung ist bei den Kartoffelsorten unterschiedlich ausgeprägt. Das variiert von Jahr zu Jahr. Eine ausbleibende oder schwache Blüte wirkt sich nicht auf das Knollenwachstum und den Ertrag aus. Die grünen Früchte der Kartoffel sind Beeren, die wegen ihres hohen Solanin Gehaltes giftig und damit nicht genießbar sind!

Die in den Beeren enthaltenen Samen werden für Züchtungszwecke genutzt. Das Knollenwachstum wird maßgeblich vom Wasser und Nährstoffangebot beeinflusst. Eine nicht ausreichendes Wasser- und Nährstoffversorgung führt nicht nur zu Ertragseinbußen, sondern kann auch die Qualität beeinträchtigen und das Auftreten von Krankheiten fördern.

Die Reifezeit setzt ein, wenn sich das Kartoffelkraut gelblich färbt und die Blätter von unten her absterben. Die Knollen bilden erst nach dem Absterben des Krautes eine feste Schale und sind lagerfähig.

Wann ist Erntezeit?

Etwa drei Monate wachsen die Kartoffeln in der Erde heran. Dann legen die Pflanzen ihre Ruheperiode ein, das Kartoffelkraut färbt sich gelb, verwelkt und verdorrt schließlich. Jetzt ist es Zeit, die Kartoffeln zu ernten.
Die Ernte beginnt bereits im Juni mit dem Ausgraben der Frühkartoffeln. Mittelfrühe Kartoffeln folgen etwa ab Ende August. Bis in den Oktober hinein kann die Ernte später Sorten erfolgen.
Bei mittelfrühen und späten Kartoffeln wartet man ab, bis das Kartoffelkraut abgestorben ist. Nun gräbt man vorsichtig eine Pflanze aus. Lösen sich die Kartoffeln leicht ab und lässt sich die Schale der Knolle mit den Fingern nicht abreiben, ist die Kartoffel erntereif.

Tipp: Nach dem Absterben des Kartoffelkrautes sollte man noch ca. 3 Wochen mit der Ernte warten. Dann kann die Schale noch fester und die Kartoffel länger gelagert werden. Kartoffeln mit grünen Stellen werden aussortiert. Sie enthalten das giftige Solanin und sind weder essbar noch als Futter verwendbar. Kartoffeln mit braunen Flecken werden ebenfalls entsorgt.

Wie lagert man Kartoffeln richtig?

Kartoffeln lagern am besten in einem dunklen Raum. Das verhindert die Bildung grüner Stellen. Ideal ist ein belüfteter Keller bei Temperaturen zwischen 4 und 8 °C. Unerwünscht sind Wärme (fördert die Keimbildung) und Frost (wandelt die Stärke in Zucker um).
Zum Lagern selbst eignen sich Kartoffelhorden, Lattenkisten oder luftige Gemüsekisten. Ungeeignet sind Eimer oder Kunststoffgefäße. Faulende Kartoffeln müssen stets aussortiert werden!

Wie beugt man Krankheiten bei Kartoffeln vor?

• Kraut- und Knollenfäule:
Eingerollte Blätter und von den Blatträndern ausgehende braune Flecken deuten auf die Krautfäule hin. Dahinter steckt eine Pilzerkrankung, die das Kraut zerstört und das Knollenwachstum hemmt.
Die Krautfäule der Kartoffel kann mit verschiedenen Fungiziden bekämpft werden (z.B. „Atempo Kupfer-Pilzfrei“). Bis zur Ernte sind sie mehrfach auszubringen.
• Schwarzbeinigkeit:
Schwarzbeinigkeit wird durch Bakterien hervorgerufen und erscheint häufig bei feuchtem, kaltem Wetter. Von der Basis her breitet sich die schwarzbraune Fäule über den Stängel aus. Schwarzbeinigkeit kann nicht bekämpft werden.
• Drahtwürmer:
In den Kartoffelknollen sind 2 bis 3 mm große Fresslöcher. Der Schaden wird durch 2 bis 2,5 cm lange, braune Larven, die einen auffällig schmalen Körperbau aufweisen, verursacht. Die so genannten Drahtwürmer (sind keine Würmer, sondern Larven des Schnellkäfers) fressen auch an Keimlingswurzeln, die so zum Absterben gebracht werden. (der Saatschnellkäfer tritt kaum als Schädling in Erscheinung, überwintert im Boden.
Begegnen kann man dem Schädling lediglich, dass man auf freien Flächen die Population durch Fräsen des Bodens erheblich dezimiert bzw. in bereits bestehende Pflanzungen erreicht man eine Reduzierung des Drahtwurmbesatzes durch das Eingraben von Kartoffelhälften. Diese werden im Abstand von 50 cm mit der aufgeschnittenen Seite nach unten 5 cm tief in den Boden eingegraben. Die Würmer bohren sich in die Kartoffelhälften und Sie können diese absammeln. Regelmäßig den Kalkgehalt mit dem pH-Bodentest bestimmen. Ist der Boden zu sauer, z.B. mit „Azet VitalKalk“ aufkalken, denn der Schädling meidet kalkreichen Boden.

Zum Abschluss etwas zur Geschichte der Kartoffel:

Sie stammt aus Südamerika. Die Inkas in Peru bauten sie in den Anden noch in 3000 und 4000 m Höhe auf den dortigen schlechten Böden an, auf denen kein Mais mehr wuchs. Sie nannten die Pflanze „Papa“, das heißt „Knolle“. Der deutsche Name Kartoffel erinnert an Trüffel – italienisch „tartufulo“ (unterirdisch wachsende Pilze) – mit denen die Kartoffel anfänglich verglichen wurde.

Im 17. Jahrhundert kam die Kartoffel nach Deutschland. Um ihre Verbreitung hierzulande hat sich besonders der Preußenkönig Friedrich der Große im 18. Jahrhundert verdient gemacht. Denn auch sein Land Preußen, besonders die Provinz Brandenburg, hatte vielfach schlechte Sandböden.

Die Bauern in Preußen wehrten sich anfangs jedoch gegen den Anbau der unbekannten Pflanze. Vermutlich probierten sie zunächst die aus den Blüten entstandenen, wie kleine grüne Tomaten aussehenden, ungenießbaren Früchte. Auch die Kartoffelknollen aus der Erde schmeckten ihnen ungekocht nicht. Sogar Hunde wollten sie nicht fressen. Und eine Pflanze, die über der Erde (leicht) giftig war, sollte in der Erde ungiftig sein? Die Deutschen kennen bis heute das Sprichwort: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.“ Deshalb erließ Friedrich der Große 1756 den „Kartoffelbefehl“: Jeder Bauer musste unter Androhung von Strafe seinen Acker mit Kartoffeln bestellen.

Heute wird die Kartoffel in der ganzen Welt angebaut, besonders in der gemäßigten Klimazone, also auf der nördlichen Erdhalbkugel in Europa, Russland und Nordamerika, aber auch in Afrika und Asien ist sie als Gemüse bekannt. Und für die Zubereitung der Kartoffel zu unterschiedlichsten Gerichten gibt es eine breitgefächerte Literatur.

Übrigens, wussten Sie, dass Kartoffeln vier Mal mehr Vitamin C enthalten als Äpfel oder Birnen. Durch die enthaltene Stärke sättigen sie lange und haben dazu wenige Kalorien. Enthaltene Mineralien und Spurenelemente sorgen für schöne Haut,

bis zum nächsten Mal, der „Garten-Olaf“