2017 Holzeinschlag Thomas Hartelt ASG Abt.SFNicht nur Gartenfreunde, die Ihren Garten in der Nähe vom Stadtwald haben, bemerken im Winter die teilweise erheblichen Pflegearbeiten. Auch im Winter 2017/18 sind viele Holzeinschläge geplant. Es war vorgesehen, die meisten Arbeiten Anfang November zu beginnen. Durch die Sturmschäden vom 29. Oktober 2017 verzögert sich der Beginn der meisten Arbeiten um einige Wochen.

Der Holzeinschlag ist immer eine Mischung von Auslichtungen und der Pflege von jungen Bäumen. Außerdem werden Pflanzplätze für die ökologisch wichtige Baumart Stieleiche geschaffen. Das Ende der Holzeinschlagsarbeiten ist für Ende Februar 2018 geplant. Die Arbeiten werden von gewerblichen Forstunternehmen und eigenen Arbeitskräften der Abteilung Stadtforsten, vor allem im Rahmen der Lehrausbildung, durchgeführt.

Foto: Thomas Hartelt  (SB Forstl. Digitalisierung und Kartierung)  - Holzeinschlag

2017 Pflanzung Thomas Hartelt ASG Abt.SFWo finden die Arbeiten statt?

  • Im Plaußiger Wäldchen und im Umfeld des Cospudener Sees befinden sich Waldbestände, die in den letzten 20 bis 40 Jahren neu angepflanzt wurden, meist um die Fläche des Stadtwaldes zu vergrößern. Ähnlich wie beim Pikieren der Gemüsepflanzen im Saatbeet wird die Zahl der Bäume auf der Fläche, es handelt sich meist um Stieleichen und Eschen, reduziert. Dadurch verbessert sich die Stabilität der verbliebenen Bäume und sie werden in ihrem Wachstum gefördert.

Foto: Thomas Hartelt - Pflanzung

  • 2017 Jungwuchspflege Thomas Hartelt ASG Abt.SFIm Waldgebiet Burgaue wird der Hochwald auf einer Teilfläche von ca. 1 ha in die historische Waldbewirtschaftung im Mittelwaldbetrieb überführt. Das bedeutet, dass ein großer Teil der Bäume aus der oberen Baumschicht entnommen wird. Die verbliebenen Stubben schlagen aus und bilden nach mehreren Jahren eine zweite Baumschicht. Das schafft für viele seltene wärme- und lichtliebende Arten ideale Lebensbedingungen. 
  • Im Waldgebiet Bienitz, im Bereich der ehemaligen Schießbahnen, erfolgt ein relativ geringer Einschlag von Bäumen. Es werden weniger Bäume entnommen, um den Wuchsraum für die verbleibenden Gehölze zu vergrößern. Das Besondere hier wird sein, dass Pferde zum Rücken des Holzes eingesetzt werden.

Foto: Thomas Hartelt - Jungwuchspflege

  • 2017 Jungbestandspflege Thomas Hartelt ASG Abt.SFIm Leutzscher Holz, im Waldgebiet Nonne, im Connewitzer Holz sowie im Rosental werden alte Bestände durchforstet, um auch hier die Stabilität der verbleibenden Einzelbäume und die Struktur der Bestände zu verbessern, den Anteil an Eschen und Ahornen zu reduzieren, um somit die ökologisch wertvollen Stieleichen zu fördern. Außerdem wird das Wachstum der unteren Baumschichten erhöht.
  • Im Leutzscher Holz werden so genannte Femellöcher angelegt. Dabei handelt es sich um kleine Freiflächen, auf denen die ökologisch wertvolle Baumart Stieleiche gepflanzt wird, die im Bestandsinneren auf Grund ihres hohen Lichtbedarfes nicht wachsen würde.

Foto: Thomas Hartelt - Jungbestandspflege

  • Die Baumart Stieleiche ist naturschutzfachlich die wichtigste Baumart im Stadtwald. Ihr hoher Anteil ist nicht natürlich, sondern historisch durch Menschen entstanden und kann nur durch Menschen erhalten bleiben.

Genau wie ein Gartenfreund nicht damit rechnen kann, dass viele Gartenpflanzen ohne Hilfe im nächsten Jahr einfach wieder wachsen, hat die Stieleiche ohne menschliche Hilfe im Leipziger Auwald keine Chance.

Warum finden die Arbeiten statt?

  • Um die Baumartenzusammensetzung und damit den Artenreichtum der Leipziger Hartholzauen zu erhalten und zu verbessern. 
  • Ein Mosaik an unterschiedlichsten Bestandsstrukturen nachhaltig zu sichern und somit wichtige Voraussetzungen zur Erhaltung der Artenvielfalt und des Erlebnis- und Erholungswertes unseres Stadtwaldes zu schaffen.

Grundlagen für die Arbeiten sind neben den geltenden Schutzgebietsverordnungen, dem FFH-Managementplan (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie / Europäische Kommission 1992) und einer langfristigen Konzeption zur Bewirtschaftung der Auwälder, vor allem die gesetzlich vorgeschriebene und vom Stadtrat beschlossene Forsteinrichtung und der jährliche forstliche Wirtschaftsplan, welcher auch auf der Homepage der Stadt Leipzig (www.leipzig.de) einsehbar ist.

Alle Maßnahmen wurden mit wissenschaftlichen Einrichtungen, Naturschutzbehörden und anerkannten Naturschutzverbänden abgestimmt. Außerdem werden Monitoring-Arbeiten, wie z.B. eine regelmäßige Brutvogelkartierung, durchgeführt.

Insgesamt ist vorgesehen, im Leipziger Stadtwald eine Holzmenge von ca. 7.000 fm (Festmeter / Raummaß für Rundholz) einzuschlagen. In der Regel decken die Erlöse aus dem Verkauf des Holzes die Aufwendungen, ein großer Profit lässt sich also nicht erzielen.

2017 Holzernte Harvester Thomas Hartelt ASG Abt.SF

Hinweis:
Der Holzeinschlag führt zwangsläufig auch zu vorübergehenden Sperrungen von Waldwegen! Dafür bittet das Amt für Stadtgrün und Gewässer um Verständnis.

Vor allem Gartenfreunde, die ihren Garten in der Nähe des Auwaldes haben, haben bestimmt schon die Auswirkungen des so genannten Eschentriebsterbens wahrgenommen. Nicht nur, dass zu sehen ist, wie bei vielen dieser Bäume ein großer Teil der Äste in der Baumkrone abstirbt, zum Ärger der betroffenen Gartenfreunde fallen auch ständig große Mengen abgestorbener Zweige und Äste herab.

Foto: Thomas Hartelt - Holzernte

2017 Holzrueckung Forwarder Thomas Hartelt ASG Abt.SFDas Eschentriebsterben wird durch einen Pilz verursacht. Erste Anzeichen sind unregelmäßige Farbveränderungen an den Blättern. Später stirbt die Rinde ab, was zum Verwelken der Äste führt. Ist der Stamm betroffen, kann es zum Absterben der Esche kommen. Die durch den Pilzbefall geschwächten Bäume werden zudem leichter Opfer weiter Parasiten. Eine direkte Bekämpfung des schädlichen Pilzes ist nicht möglich. Die Krankheitssymptome des Eschentriebsterbens sind in Europa (Polen) seit 1995 bekannt, in Deutschland tritt diese Krankheit seit 2002 auf. Kranke Bäume, vor allem an Straßen, Spielplätzen, Eisenbahnlinien und Waldwegen müssen im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht entnommen werden.

Foto: Thomas Hartelt - Holzrückung

Um besser gesunde und eventuell gegen die Krankheit resistente Bäume zu erkennen, erfolgt die Markierung der zu fällenden Bäume oft schon im Spätsommer, so lange also noch das Laub auf den Bäumen ist.

Andreas Sickert
Abteilungsleiter Stadtforsten - Amt für Stadtgrün und Gewässer