2016 NABU KernbeisserManchmal macht erst menschliche Ungeduld einen Jungvogel zum Pflegefall. Jedes Jahr zur Brutzeit häufen sich Fundmeldungen über scheinbar hilflose Jungvögel und andere Tierkinder, die aus dem Nest gefallen sind. Man sollte solche Tiere auf keinen Fall gleich aufnehmen, sondern erst einige Zeit beobachten und sie an Ort und Stelle belassen. Im Zweifel bitte beim NABU Leipzig anrufen: Notfalltelefon 01577 32 52 706.

2016 NABU WaldkauzHilfsbedürftig: Dieser Kernbeißer war gegen eine Glasfassade geflogen und wurde von der Wildvogelhilfe wieder gesund gepflegt. Fotos: NABU Leipzig

Nicht hilfsbedürftig: Dieser junge Waldkauz saß am Boden und wurde von besorgten Tierfreunden mitgenommen. Sie haben die Wildvogelhilfe noch rechtzeitig informiert, so dass der Jungvogel vor Ort wieder auf einen Ast gesetzt werden konnte, wo ihn seine Eltern weiter versorgten.

Quelle: Text / Fotos NABU

In den meisten Fällen, zu denen die Wildvogelhilfe des NABU Leipzig gerufen wird, besteht gar keine Gefahr für die Jungvögel. Ein gerade flügge gewordener Vogel erscheint hilflos, wird aber von seinen Eltern auch außerhalb des Nestes weiter gefüttert. Doch vielen besorgten Menschen dauert es zu lange, zu beobachten, ob die Eltern noch da sind. Aus Unkenntnis fühlen sich viele Vogelfreunde dann als Retter in der Not und nehmen die Tiere mit nach Hause, ohne zu wissen, dass sie damit den Vogeleltern die Jungen wegnehmen und ohne zu wissen, was sie mit den kleinen Tieren eigentlich machen sollen. Oftmals sind die Tiere schon über viele Stunden oder Tage bei menschlichen Ersatzeltern untergekommen, bevor sie in professionelle Hände gelangen, so dass die Rückgabe an die Vogeleltern dann nicht mehr möglich ist. Der NABU kann in seinen Auswilderungsvolieren die Vögel wieder fit machen für ein Leben in Freiheit.

Anders als gesunde Vogelkinder sind einige verunglückte Wildvögel wirklich in Gefahr, zum Beispiel wenn sie gegen eine Glasfassade oder ein Auto geflogen sind. Solche Anflugtraumata können gut behandelt werden. Auch Vögel, denen bei Gebäudesanierung oder Baum- und Heckenschnittmaßnahmen die Brutplätze genommen wurden oder die von Katzen angegriffen wurden, sind ein besonderer Fall, der nicht als natürlicher Verlauf betrachtet werden kann und bei dem menschliche Hilfe erforderlich ist.

2016 NABU Vogelfund1Schnelle Hilfe für Vogelfinder: Ob wirklicher Notfall oder voreilige Tierliebe – die Wildvogelhilfe des NABU Leipzig steht in jedem Fall als Ansprechpartner gern zur Verfügung und ist über das Notfalltelefon 01577 3252706 erreichbar. Um Menschen bei einem Vogelfund eine Orientierungshilfe zu geben, hat der NABU Leipzig eine Info-Grafik mit den wichtigsten Fragen und Antworten gestaltet:

Die Infografik des NABU Leipzig gibt es im handlichen Flyerformat im NABU-Naturschutzbüro oder auch als Download.

2016 NABU Vogelfund2Im vergangenen Jahr hat die rein ehrenamtlich arbeitende Wildvogelhilfe Leipzig 445 Vögel versorgt; es handelte sich um 45 verschiedene Vogelarten. Die drei häufigsten Pflegevögel waren Mauersegler, Mehlschwalbe und Haussperling. Die Versorgung der Pflegevögel erfolgt überwiegend mit Insekten, deren Kauf mit recht hohen Kosten verbunden ist. Daher müssen je nach Gesundheitszustand der Vögel Futterkosten von ca. 10 bis 20 Euro pro Tier und pro Woche finanziert werden.

Der NABU Leipzig www.nabu-leipzig.de/spenden bittet dafür um Spenden unter dem Stichwort „Wildvogelhilfe“ auf das Konto DE88 8605 5592 1100 9119 59.

2016 NABU HausrotschwaenzeEin Beispiel von vielen: 5 junge Hausrotschwänze wurden von der Wildvogelhilfe des NABU Leipzig gerettet, bevor der Nistplatz zerstört wurde. Sie bekommen jede Stunde 7 mittelgroße Heimchen; jedes Heimchen kostet 0,02 Cent. Das sind 0,14 Cent je Vogel und Fütterung und 2,24 Euro je Vogel an einem Tag. Bei allen 5 Vögeln macht das zusammen 11,20 Euro je Tag, 78,40 Euro in der Woche, rund 250 Euro bis sich diese fünf Hausrotschwänze selbstständig ernähren können.

Mit freundlichen Grüßen - Ihr NABU-Regionalverband Leipzig und das Team der Wildvogelhilfe