2014 01 Mohn PannowitschWas gibt es Schöneres als ein Kornfeld, aus dem uns massenhaft feuerroter Klatschmohn entgegenleuchtet? Der Bauer denkt vermutlich anders darüber, aber jedenfalls hat Papaver rhoeas bisher alle Schikanen der Saatgutreinigung und chemischen Unkrautbekämpfung überlebt. Es liegt an dieser weit verbreiteten Einjahrspflanze, dass uns beim Wort ‚Mohn' sofort die Farbe Rot vor Augen steht.

Dabei hat die Gattung Papaver eine bemerkenswerte Farbpalette zu bieten. Schon beim Klatschmohn auf den Feldern findet sich dann und wann ein rosa blühendes Exemplar, und die Züchter haben aus dem Genpotential der Art alle möglichen Spielarten von Weiß, Rosa und Rot herausgekitzelt.

Foto: Ralf Pannowitsch - Klatschmohn (Papaver rhoeas)

2014 02 Mohn PannowitschDiese Annuellen werden gewöhnlich als „Seidenmohn" in den Handel gebracht und gedeihen am besten auf gut umgegrabenem, nährstoffreichem Boden. Graue Mohnblüten bringen die englischen Mischungen ‚Cedric Morris' und ‚Fairy Wings' hervor. Das mag nicht gerade verlockend klingen, aber wer schon mal ein Beet mit ihrem dezenten, fein aufeinander abgestimmten, von Weiß über Mauve und Mattrosa bis eben Grau reichenden Farbspektrum gesehen hat, konnte sich dem duftigen und leicht dekadenten Charme dieser Blüten sicher nur schwer entziehen. Ein Nachteil bei allen Klatschmohnsorten ist, dass der Flor nur wenige Wochen dauert.

Foto: Ralf Pannowitsch -  Blüte des Türkenmohns (Papaver orientale)

„Rot blüht der Mohn" heißt es etwas irreführend im Refrain eines legendären Schlagers, der von Rauschgiftanbau und dem daraus entspringenden Leid handelt. Vielleicht hat auch mancher mecklenburgische Bauer, dessen Felder fast so viel Klatschmohn wie Weizen tragen, schon über die Möglichkeit eines lukrativen Nebenerwerbs nachgedacht ... Leider (oder zum Glück) würde das nicht funktionieren, denn Opium – und Backmohn – werden aus einer anderen Art gewonnen, dem Schlafmohn (Papaver somniferum). Man erkennt ihn leicht an seinen blaugrau überlaufenen, unbehaarten Blättern und Stängeln. Seine Blüten kommen gewöhnlich in einem nicht reizlosen blassen Lilarosa daher.

2014 03 Mohn PannowitschWährend noch meine Großeltern in der Nachkriegszeit verpflichtet waren, einen bestimmten Teil ihres Ackerlandes mit Schlafmohn zu bestellen, darf er heute – selbst in geringen Mengen – nur mit einer speziellen (und kostenpflichtigen) Genehmigung kultiviert werden. Erstaunlich, wenn man bedenkt, in wie vielen Leipziger Kleingärten man auf ihn stößt! Oftmals sind das Bestände, die sich durch Selbstaussaat über Jahrzehnte erhalten haben – gewissermaßen ungewollte Erbstücke von den Vorpächtern. Bei einer (eher unwahrscheinlichen) Drogenrazzia im Blumenbeet könnte man sich vielleicht damit herausreden, der Nachbar oder eine Gartenguerilla hätten eine Handvoll Samen über den Zaun geworfen, und man habe gerade erst heute früh bemerkt, was da meterhoch und üppig blühend neben den Tomaten wächst ... (Für den Erfolg dieser Strategie übernehme ich keine Gewähr.)

Foto: Ralf Pannowitsch - Samenkapseln des Schlafmohns (Papaver somniferum)

Wenn Sie sich als Gärtner aber gern in den Grauzonen der Illegalität bewegen, sollten Sie es wenigstens mit Stil tun: Viel schöner als die ursprüngliche Art sind einige gefüllte Zierformen, deren altmodische, schwere Blütenbälle auch etwas länger durchhalten. Es gibt von ihnen rote und rosafarbene, aber auch ‚White Cloud' (weiß mit cremefarbenem Hauch) und ‚Black Paeony' (phantastisch schwarzviolett).

Ganz auf der sicheren Seite sind Sie mit dem ausdauernden Türkenmohn (Papaver orientale). Er stammt aus dem Kaukasus, hat fleischige, tiefreichende Wurzeln und bildet im Herbst eine Rosette aus behaarten Blättern aus. Im Frühsommer erfreut er mit riesigen, glühend orangen Blüten, die leider sehr kurzlebig sind. Schon wenige Wochen später sind von der Pracht nur dürre Stängelreste oder ein völlig kahler Pflanzplatz geblieben. Aber wenn seine Blüte über Monate anhalten würde, hätten wir am Ende wohl auch gar kein Auge mehr dafür ... Vom Türkenmohn gibt es großartige Sorten, so ‚Flamenco' (weiß mit orangem Rand), ‚Türkenlouis' (leuchtend rot, gefranster Rand) oder ‚Catharina' (lachsrosa mit dunklen Basalflecken).

Was, diese Farbpalette genügt Ihnen noch nicht?! Sie möchten gelben oder sogar blauen Mohn? Nun, dann werden wir im folgenden Beitrag die nähere Verwandtschaft der Gattung Papaver unter die Lupe nehmen.

Ralf Pannowitsch - Botanischer Garten der Universität Leipzig