Der biologische Pflanzenschutz inkl. seiner biologischen Schädlingsbekämpfung gewinnt als Alternative für Pestizide wieder an Bedeutung. Letztere hinterlassen aufgrund ihrer Persistenz Rückstände in der Natur und führen zu Akkumulation schädlicher Substanzen, die sich negativ auf die menschliche und ökologische Gesundheit auswirken. Außerdem können Schädlinge resistent gegenüber Giften werden.

Nach der Behandlung von Lebensmitteln mit Pestiziden, muss zudem eine Karenzzeit eingehalten werden, damit sich die Konzentrationen der schädlichen Stoffe abbauen können. Werden unspezifisch wirkende Pestizide angewandt, kann das außerdem zur Folge haben, dass gemäß der dritten Volterra-Regel die Population von Schädlingen schneller wächst, als die ihrer Fressfeinde, welche das Gleichgewicht ungünstig verschieben kann.

Vielen Nützlingen kommt außer der Schädlingsbekämpfung noch die Aufgabe der Bestäubung oder der Bodenverbesserung zu. Darüber hinaus sind Ökosysteme umso stabiler, je mehr verschiedene Organismen und Arten auf diese einwirken. Infolge dessen leisten auch Schädlinge ihren Beitrag zum Gleichgewicht, da sie nicht zuletzt die Nützlinge ernähren. Der Einsatz von Nützlingen wirkt im Gegensatz zu Gift gezielter, ist aber auch aufwendiger als das Sprühen mit Gift.

Schaderreger befallen in erster Linie schwache Pflanzen. Demnach werden Schädlinge als Bioindikatoren für geschwächte Pflanzen an ungünstigen Standorten oder bei unsachgemäßer Pflege verstanden. Ferner sind Saattermine und Qualität des Saatgutes zu beachten, auch kann man mit korrekter Saatzeit der Flugzeit von Schädlingen ausweichen. Der Schutz beginnt daher mit der Auswahl der richtigen Sorte und dem richtigen Standort zur rechten Zeit. Daneben darf auch der Pflanzenabstand nicht zu eng sein.

Bestimmte Sorten sind gegen Krankheiten, wie z.B. Mehltau resistent. Bei der Auswahl muss aber auch darauf geachtet werden, dass eine Sorte ebenso nachteilige Eigenschaften bezüglich zukünftigem Standort und Bewirtschaftungsmethode mit sich bringen kann. Es können sich auch Rassen von Schaderregern entwickeln, gegen die Resistenzen nicht mehr wirksam sind.

Temperaturen in Gewächshäusern haben nicht nur Einfluss auf die Pflanzengesundheit, sondern auch auf Populationsentwicklungen von Schädlingen und Nützlingen. So können Bodenheizungen eingeschleppte Arten von Nematoden fördern. Die Einschleppung von Nematoden kann z.B. über verseuchte Erde (Verbringung von Gartenboden) und verunreinigte Gartengeräte geschehen.

Pflanzengerechte Düngung stärkt die Gewächse und sie können eigene Abwehrstoffe gegen Schädlinge bilden. Aus diesen Gründen verzichtet man im biologischen Anbau weitgehend auf leichtlösliche Mineraldünger, die leicht von den Gewächsen aufgenommen werden und zu Überdüngung und Aufschwemmung des Pflanzengewebes mit nachfolgender Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlingen führen kann. Mit organischem Dünger (Pflanzenjauche), tierischem oder pflanzlichem Dünger (Gründüngung) kann eine konstante Düngung erreicht werden.

Gründüngung bietet auch Platz für Nützlinge, auch für Unkraut, das nicht restlos entfernt werden sollte. Letzteres bedeckt und schützt darüber hinaus den Boden und weist als Zeigerpflanze auf die Bodenbeschaffenheit hin. Die Düngung soll vor allem zur Ernährung der Bodenlebewesen beitragen, die den Boden einerseits durch ihre Ausscheidungen mit Nährstoffen anreichern, andererseits zur Durchlüftung und Lockerung der Erde beitragen.

Eine Schicht aus Mulch trägt zusätzlich dazu bei, Boden und Bodenlebewesen zu schützen. Die Bodenbedeckung hat den Waldboden zum natürlichen Vorbild und kann insoweit vorteilhaft sein, dass sie das Aufkommen von Unkraut verhindert, darf aber nicht zu hoch sein, um Luftzirkulation zu garantieren und kein Obdach für Wühlmäuse zu bieten. Die Schicht schützt aber vor allem gegen Sonnenstrahlen und vor Austrocknung, was eine höhere Besiedlung der Bodenlebewesen und einen lockereren Boden nach sich zieht und somit dem Stoffwechsel der Pflanze förderlich ist.

Feuchte Erde wird infolgedessen auch nicht vom Wind verweht. Mineraldünger werden angewandt, sofern sie der Bodenverbesserung dienen. Pflanzenstärkungsmittel stärken die Gesundheit der Pflanzen und ein korrekter Schnitt erhöht die Widerstandskraft der Pflanzen.

Vorbeugend verzichtet man also auf Monokulturen (!), die eine einseitige Vermehrung von Schädlingen begünstigen. Mischkulturen erschweren dagegen einerseits die Nahrungssuche für Schädlinge, andererseits vermindern sie den Konkurrenzdruck unter den Pflanzen. In Mischkulturen wird außerdem die Wirkung der Allelopathie (ein Teil der chemischen Ökologie) ausgenutzt. Werden Pflanzen zu häufig am selben Ort angebaut, begünstigt dies den Befall von Krankheiten und Schädlingen, wobei mit Fruchtwechsel der Befall reduziert werden kann.

Weitere Informationen: Internetseite für Gartenfachberater www.die-gartenfachberater.de

Erik Behrens - Gartenfachberater der Fachkommission des Stadtverbandes