Die Pflege des Bodens ist von zentraler Bedeutung beim biologischen Pflanzenschutz. Schonende Bodenbearbeitung, Bodenbedeckung (Mulchen) mit organischem Material und eine ausgeglichene organische Düngung fördern das Bodenleben. Dieses ist nicht nur für optimale Durchlüftung und Wasserversorgung, sondern auch für den reibungslosen Ablauf der Stoffwechselvorgänge verantwortlich.

Ziel der Düngung im biologischen Anbau ist nicht allein die direkte Ernährung der Pflanzen, sondern vorwiegend die Ernährung der Bodenlebewesen. Es werden daher hauptsächlich Dünger verwendet, die erst durch die Tätigkeit der Bodenorganismen den Pflanzen verfügbar gemacht werden.

Verschiedene wissenschaftliche Arbeiten haben gezeigt, dass Pflanzen Stoffe wie Aminosäuren (Eiweißbausteine) und Antibiotika, die zur Bildung von pflanzeneigenen Abwehrstoffen beitragen, direkt aus dem Boden aufnehmen können. Als wichtigste Düngemittel werden deshalb Kompost, Mist und organische Handelsdünger eingesetzt.

Die Nährstoffansprüche der verschiedenen Pflanzenarten (Stark- oder Schwachzehrer) sind zu berücksichtigen. Die Nährstoffzusammensetzung der Handelsdünger ist zu beachten, z.B. der hohe Kalk- und Phosphorgehalt von Hühnermist. Gesteinsmehl und Algenkalk regen die Tätigkeit der Mikroorganismen an und führen dem Boden wichtige Spurenelemente zu.

Im Gegensatz dazu werden leichtlösliche Mineraldünger direkt von der Pflanze aufgenommen. Dadurch steigt die Gefahr einer Qualitätsverminderung durch Überdüngung.

Die Nährstoffauswaschung ins Grundwasser und die Beeinträchtigung des Bodenlebens nehmen zu. Eine zu sehr wachstumsfördernde Düngung, vor allem mit leichtlöslichen Stickstoffdüngern, führt zu einer Schwächung des Zellgewebes und zur Veränderung des Pflanzensaftes. Dies hat in vielen Fällen eine erhöhte Anfälligkeit für bestimmte Pilzkrankheiten und Schädlinge zur Folge (zum Beispiel Blattläuse, Mehltau, Spinnmilben)!

Es erscheint wichtig, durch Beobachtungen und durch Bodenproben den Zustand des Bodens regelmäßig zu überprüfen.

Chemische Untersuchungen geben uns Auskunft über Nährstoffvorräte und deren Verfügbarkeit für die Pflanzen, die wir anbauen möchten. Im biologischen Anbau werden Unkräuter nicht restlos entfernt, da ihnen wichtige Funktionen zukommen. Verschiedene Untersuchungen weisen auf die großen Vorteile einer Restverunkrautung für das biologische Gleichgewicht hin. Unkräuter bedecken und beschützen den Boden. Nützlichen Bodeninsekten, z.B. Raubkäfern, bieten sie Unterschlupf, und ihre Blüten bilden die Nahrungsquelle für viele natürliche Feinde der Schadinsekten. Es können aber auch Krankheiten durch Unkräuter übertragen werden, und als Wirtspflanzen von Schädlingen spielen sie ebenfalls eine Rolle. Trotzdem sollte man nur gezielt und nur beim Auftreten von größeren Problemen radikal vorgehen.

Nun noch ein paar Tipps: In der Natur hat jedes Lebewesen seine Funktion und ist Glied einer langen Kette. Schädling und Nützling sind daher willkürliche Bezeichnungen.

Biologisches Gleichgewicht - Bio-logisch heißt lebens-gesetzlich. In einem biologischen Gleichgewicht kann sich das Gesunde, Lebensfähige entwickeln, weil jene Organismen, die wir Schädlinge nennen oder die Krankheiten verursachen, die Aufgabe haben, das Schwache, seinen Lebensbedingungen schlecht Angepasste oder Alternde abzubauen. Dieses Gleichgewicht ist umso stabiler, je vielfältiger es zusammengesetzt ist, d.h. je mehr verschiedene Organismen (Viren, Bakterien, Pflanzen und Tiere) sich direkt oder indirekt beeinflussen.

Wo diese Abbauvorgänge unsere Anbauziele stören, dürfen wir von Schädlingen sprechen. Den Ausdruck Nützlinge wenden wir dort an, wo Lebewesen durch ihr Verhalten oder durch ihre Ernährungsweise das massenhafte Auftreten anderer Lebewesen, welche unsere Kulturpflanzen schädigen, verhindern.

Erik Behrens - Gartenfachberater der Fachkommission des Stadtverbandes