049Interessante und lehrreiche Tage in Hamburg - Regelmäßige Schulungsfahrten gehören seit vielen Jahren zum Arbeitsstil des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner (SLK). Sie vervollständigen das Wissen über Land und Leute, vermitteln wertvolle Erfahrungen zum Nutzen der kleingärtnerischen Tätigkeit und sind stets mit gartenfachlichen Beratungen und Diskussionen verbunden.

Dieses Jahr war es bereits die 24. Fahrt dieser Art. Sie führte vom 8. bis 12. Juli 2013 nach Hamburg. Den 48 Leipziger Kleingärtnern standen einige anstrengende Tage bevor.

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014„In 80 Gärten um die Welt", ist das Motto der Internationalen Garten Schau (IGS), die vom 26. April bis 13. Oktober in Hamburg stattfindet und natürlich Anlaufpunkt der Leipziger Kleingärtner war. Das 100 ha große, hervorragend gestaltete Ausstellungsgelände liegt in unmittelbarer Hafennähe auf der Elbeinsel Wilhelmsburg und wird von der Norder- und Süderelbe umschlossen. Da bot sich die Anreise über das Wasser an. Die ging in einer Barkasse von den Landungsbrücken durch Teile des Hamburger Hafens und den Reiherkanal bis zum Westufer der Insel und war im Zusammenhang mit den Erläuterungen des Barkassenführers recht interessant.

043Peter Ziemer und Hanna Todtmann-Volkmer waren für die bestellte Führung über das vielseitige Ausstellungsareal zuständig und erledigten ihre Aufgabe recht ordentlich. Sie machten u.a. gleich zu Beginn auf einige auffallend gestaltete Gebäude am Rande der IGS aufmerksam und verwiesen in diesem Zusammenhang auf die Internationale Bau Ausstellung (IBA), die zum gleichen Zeitpunkt stattfindet. Sehr anschaulich und verständlich erläuterten sie u.a., dass die IGS ihre Besucher, entsprechend dem o.g. Motto, auf eine Reise durch die Kulturen, Klima und Vegetationszonen unserer Erde führt.

 

053In den Gärten der „Welt der Häfen" geht es um Hafenstädte, in den "Wasserwelten" vom Wassermangel zum Überfluss, in der „Welt der Kulturen" wird die Vielfalt der Völker dargestellt, die internationale Landschaftsarchitektur präsentiert die „Welt der Kontinente" und in den „Naturwelten" ist ein interessanter Blick in die Natur der Zukunft möglich. Mit Kletterhalle, Skateranlage etc. lockt die „Welt der Bewegung". Die „Welt der Religionen" bietet vor allem Ruhe und Beschaulichkeit. Alles ist in Form von Gärten gestaltet, die jedoch nicht immer grün und auch nicht mit den üblichen „Kleingärten" vergleichbar sind. Anpflanzungen, Blumen und Bauten sind in den 80 fantasievoll interpretierten Themen gestaltet, die aber erst mit den Erläuterungen der IGS-Führer verständlich werden.

052 Die „Wasserwelten" sind in einem wogenden Gräsermeer, das Wasser darstellt, gestaltet. Die „Welt der Kontinente" wird von einem blauen Blütenmeer umfasst, die Gärten in der „Welt der Häfen" strahlen wie bunte Containerberge in mehreren Farben und im IGS-Gelände finden Spezialausstellungen statt. Friedhofsgärtner und Steinmetze gestalten im Areal für „Grabgestaltung und Denkmal" ca. 140 Erd- und Urnengräber, oft Kunstwerke, die jedoch kaum auf einem öffentlichen Friedhof zu sehen sind. Die Züchter zeigen in den Ausstellungen „Rhododendron" und „Dahlien" die Ergebnisse ihrer Bemühungen. Der ca. 150 Meter lange Rosenboulevard stand in voller Blüte und war begehrtes Fotomotiv.

In den KGV, die auf dem IGS-Gelände liegen kann bei einem Blick über den Gartenzaun, der durchaus interessant ist, u.a. die Einhaltung des Bundeskleingartengesetzes beurteilt werden. Im Süden des Geländes sind moderne Mustergärten angelegt, deren Gestaltungsidee vom Gartenfreund Roger Gloszat, Landesfachberater des Landesbundes der Gartenfreunde in Hamburg (LGB), anschaulich und verständlich erklärt wurde. (Weitere Informationen dazu veröffentlichen wir in der nächsten Ausgabe.) Einen umfassenden Überblick im wahrsten Sinne des Wortes ermöglicht eine Rundfahrt mit der Gartenschaubahn, die in sechs Meter Höhe über das ganze IGS-Gelände gleitet und hervorragende Blicke auf die Pflanzenwelt gestattet. Vielfältige Kultur-und Bildungsangebote vervollständigen das Programm der Gartenschau. Dafür hatte allerdings der zur Verfügung stehende Zeitraum nicht ausgereicht. Denn es standen noch andere Höhepunkte der Schulungsfahrt im Programm.

073In diesem Zusammenhang gab es am nächsten Tag eine Führung durch die Vier- und Marschlande. Dieses ca. 130 km² große Gebiet liegt im Südosten von Hamburg und ist für Gemüseanbau und Blumenzucht bekannt. „Bereits um 1200 begannen die Bauern, dieses Strömungsgebiet der Elbe zu entwässern, Deiche anzulegen und Häuser zu bauen", erklärte u.a. Stadtführerin Heidi Roth. „Hier läuft die Pflanze nicht vom Band, hier schafft man noch mit Herz und Hand", stand auf einem kleinen Schild am Eingang einer Gärtnerei. Der Chef, Thomas Wippermann, verwies im Rahmen der Besichtigungsrunde u.a. darauf, dass damit die Arbeitsweise seines Familienbetriebes charakterisiert wird.

Die Vierlande beziehen sich vor allem auf die Orte Curslack, Neuengamme, Kirchwerder und Altengamme. Neuengamme ist durch ein Außenlager des KZ Sachsenhausen bekannt geworden. Bis 1945 wurden hier ca. 55.000 Menschen ermordet. Heute befindet sich dort eine Gedenkstätte.

Eine gut organisierte Stadtrundfahrt mit Gästeführer Patrik Borsche, die am nächsten Tag stattfand, vermittelte nachhaltige Eindrücke vom historischen und modernen Hamburg. Dabei waren vor allem die großzügigen Umgestaltungsmaßnahmen im Hafenviertel beeindruckend.

111Die Rundfahrt endete am Haus des LGH, wo der Vorsitzende, Dirk Sielmann, die Leipziger Kleingärtner herzlich begrüßte. Bei Kaffee und Kuchen wurden Erfahrungen ausgetauscht und danach das ca. 7.000 m² große Gartengelände hinter dem Gebäude besichtigt. Die Lauben werden von LGH-Angestellten genutzt und auf den Wiesen finden Veranstaltungen des LGH statt. Später gab es noch eine Grillparty in der Anlage des Gartenbauvereins „Heimat", der eine Patenschaft mit dem KGV „Leipzig-Stünz" hat. Zur Zeit kämpft er um seine Existenz. Die Anlage liegt in einem Wohngebiet und soll Neubauten weichen. Auch in Hamburg gibt es Ersatzland, aber davon sind die Kleingärtner natürlich nicht begeistert.

Am 12. Juli ging es dann wieder nach Leipzig. „Es hat sich gelohnt, das Programm war straff geplant, aber sehr interessant und lehrreich", war die vorherrschende Meinung der Teilnehmer. Recht herzlichen Dank an alle, die dazu beigetragen haben.

Günter Mayer - Pressewart SLK