20140607 NW 4471Nicht zum ersten Mal trafen sich die Vertreter der Kleingärtnervereine (KGV), die der Bezirksgruppe (BZG) Nordwest angehören, nicht in einem Vereinshaus in Wahren oder Möckern. Dieses Mal hatte BZG-Obmann Bernd-Udo Kellner zu einer besonderen Sitzung in das Schulmuseum am Goerdelerring eingeladen. An diesem Pfingstsamstag 2014 hatten leider einige der Vorstände der 17 KGV Leipzig für ein paar Tage den Rücken gekehrt. Trotzdem kamen 15 Gartenfreunde inkl. zwei Gäste zum "Nachsitzen" in den Klassenraum um 1900.

SLK-Fotos: Blick zu den Bankreihen

20140607 NW 4462Bevor die Schulstunde beginnen konnte, wurden "Mädels" und "Jungs" erst einmal zeitgemäß "eingekleidet" und jeder bekam für diese Unterrichtsstunde einen "altmodischen" Vornamen. Das sehr gestrenge "Fräulein Lehrerin" - das auch so anzusprechen war - zeigte den Neulingen, wie hier der Wind weht. Man hatte sich einzuprägen "Schnabel halten, gerade sitzen, Hände falten und Ohren spitzen". Bei jeder Antwort ist zügig aufzustehen und es ist ein vollständiger Satz zu hören. Wer´s nicht kapiert, musste vorkommen (l.) oder in die Ecke gehen mit Kopf zur Wand. Ist das Vergehen größer, muss der- oder diejenige auf die erste Bank am Fenster - die Eselsbank. Da keiner der neuen Schüler wusste, wann der deutsche Kaiser Wilhelm II. Geburtstag feiert, wurde das nun ausführlich im Chor gepaukt: "Unser lieber Herr Kaiser hat am 27. Januar Geburtstag". Diese Lektion dürfte angekommen sein. Danach ließ "Fräulein Lehrerin" Zettel mit einem Liedtext austeilen - das hurtig zu geschehen - und es wurde gesungen.

20140607 NW 4460Nun schrieb die Unerbittliche in Sütterlin den Großbuchstaben "M" an die Wandtafel und forderte die Schüler auf, die Schiefertafeln unter der Bank hervorzunehmen (r.). Jeder erhielt einen Schreibgriffel. Bernd-Udo Kellner hatte den anderen zu zeigen, wie man solch ein Schreibgerät spitzt. "Fräulein Lehrerin" schrieb zum "M" noch vier kleine Buchstaben und fragte, um welche es sich dabei handelt. Auch hier musste sie erneut tadeln, da es einige der Schüler noch immer nicht verstanden hatten, in einem vollständigen Satz zu antworten. An der Wandtafel waren die vorgeschriebenen Kleinbuchstaben von den Schülern nachzuschreiben, die sie wußten. Und alle nun auf der Schiefertafel.

20140607 NW 4469Ein Schüler musste nach dieser Übung nach vorn und den Inhalt seiner Hosentaschen dem "Fräulein Lehrerin" offenbaren. Na da kamen Dinge zutage. Für die Zukunft haben sich alle zu merken, dass nur ein Kamm und ein sauberes Taschentuch mitzuführen sind. Und jeden Tag ist ein anderer bzw. eine andere an der Reihe.

Die Schulstunde rundete kurz vor Ultimo noch ein paar Minuten Köperertüchtigung mit ein paar simplen Übungen ab (l.). Dies ist besonders wichtig für die "Jungs", die dem Kaiser einmal dienen werden. Da haben es die "Mädels" nach Meinung von "Fräulein Lehrerin" besser, denn für sie werden die "3 K" in Zukunft wichtig sein (Kirche, Küche, Kinder).

Einhellig waren die Gartenfreunde begeistert vom "Nachsitzen". Es ist den anderen BZG nur zu empfehlen, das Schulmuseum in der Innenstadt auch einmal zu besuchen. Zum einen leben die Erinnerungen an die eigene Schulzeit wieder auf und diese Art der BZG-Beratung fördert ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Vertretern der Vereine untereinander - in den BZG - und soll auch zu Gemeinsamen anregen, besonders, wenn Anlagen der KGV aneinandergrenzen.