20130320 E.Hennig 1282Traditionen sind vielfältig und im Vereinsleben fest verwurzelt. Traditionspflege ist das Besinnen auf den Ursprung sowie auf Ereignisse und Bräuche der Vereine.

Darüber sprachen wir mit der Leiterin der Arbeitsgruppe „Traditionspflege" des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner (SLK). Eleonore Hennig (77) war viele Jahre als Lehrerin tätig, ist seit 1979 Kleingärtnerin im KGV „Goldene Höhe" und kümmert sich bereits 18 Jahre lang um die Traditionspflege im Kleingartenwesen. Dafür wurde sie u.a. mit der Ehrennadel des LSK in Gold geehrt.

SLK-Foto: Eleonore Hennig

Gartenfreundin Hennig, was hat Sie veranlasst, sich für die Traditionspflege zu engagieren?

Als ich 1995 Rentnerin wurde, hatte ich plötzlich viel Zeit und suchte nach einer sinnvollen Beschäftigung. Da im KGV „Goldene Höhe" im Jahr 1998 das 100-jährige Gründungsjubiläum anstand, entschloss ich mich, für diesen Höhepunkt eine Chronik zu erarbeiten. Im Zuge der notwendigen Nachforschungen kam ich u.a. auch mit Prof. Günter Katsch in Kontakt. Damit begann die Zusammenarbeit mit dem SLK und dem Deutschen Kleingärtnermuseums. In diesem Zusammenhang hatte ich u.a. an der Erarbeitung einer Bibliografie des Leipziger Kleingartenwesens mitgewirkt. Schließlich entwickelte sich daraus die Arbeitsgruppe „Traditionspflege" des SLK, deren Leitung ich nach dem Ausscheiden von Günter Katsch übernahm. Infolge der inhaltlichen Mitarbeit an den Geschichtskonferenzen des LSK wurde ich dann auch Mitglied der Arbeitsgruppe „Traditionspflege" des LSK.

Was ist an den Traditionen des Kleingartenwesens so interessant?

Das Interessante sind eigentlich die Kenntnisse über Ursprung, Ereignisse und Bräuche des jeweiligen Vereins oder Verbandes. Schon die verschiedenen Gründe für das Entstehen einzelner Vereine sind wissenswert. In Leipzig gibt es z.B. mehrere Vereine, die aus der Schreberbewegung hervorgegangen sind. Andere KGV haben sich aus Naturheilvereinen entwickelt. Arbeitergärten wurden von Unternehmern angelegt und an ihre Beschäftigten verpachtet. Wieder andere Vereine sind aus Notsituationen in den Nachkriegszeiten entstanden.

Warum ist das Wissen um die Traditionen des Vereins für seine Existenz und Entwicklung bedeutsam?

Wenn man seine Herkunft kennt, dann kann man seinen künftigen Weg besser gehen, dieser Ausspruch gilt auch für das Kleingartenwesen. In Leipzig gibt es eine Menge Vereine, die bereits auf eine über 100-jährige Geschichte verweisen können. Sie haben sich über verschiedene geschichtliche Abschnitte am Leben erhalten. Das war und ist auch heute noch mit viel Kraft und Engagement vieler Vereinsfunktionäre verbunden. Mit fortschreitender Zeit verblassen jedoch geschichtliche Ereignisse und deren Details. Sie gehen unweigerlich verloren, wenn sie nicht festgehalten werden. Für das Leben im KGV ist es aber wichtig, sich auf seine Wurzeln zu besinnen und die Traditionen am Leben zu erhalten. Letztendlich kann damit das Verständnis der Kleingärtner für bestimmte Veranstaltungen im Verein und die Struktur der Kleingartenanlage entwickelt und sie zu aktiver Mitarbeit angeregt werden. Mit gut funktionierender Traditionspflege wird den Mitgliedern vor Augen geführt, was ihre Vorfahren für den Verein geleistet haben und dass das heute Vorhandene nicht selbstverständlich sondern Ergebnis fleißiger gemeinsamer Arbeit ist.

Wie kann Traditionspflege im KGV organisiert werden und womit sollte ein Verein beginnen?

In vielen Vereinen werden einzelne Traditionen unbewusst gepflegt. Bestes Beispiel sind die Kinder- und Sommerfeste, die in vielen Vereinen jährlich stattfinden. Die wichtigsten Bedingungen für nachhaltige Traditionspflege sind jedoch das Interesse der jeweiligen Vorstände und die Bereitschaft geeigneter Gartenfreunde zur Mitarbeit. Anstehende Jubiläumsfeierlichkeiten eignen sich besonders für die Erarbeitung von Festschriften, aus denen dann oft weiterreichende Chroniken entwickelt werden können. Dabei ist es besonders wichtig, dass sich die Gartenfreunde in solchen Dokumenten wiederfinden. Dazu muss natürlich möglichst viel Material gesichtet und mit älteren Gartenfreunden gesprochen werden. Oftmals werden aus solchen Anlässen kleine Ausstellungen organisiert, die auch darüber hinaus erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten. Einige Vereine haben dazu z.B. Traditionsgärten oder Traditionslauben eingerichtet. Auch das ist u.a. eine Möglichkeit zur sinnvollen Nutzung nicht verpachteter Parzellen. Das funktioniert jedoch nur dann richtig, wenn die Chronisten und andere Gartenfreunde, die sich damit beschäftigen, die Unterstützung des Vereinsvorstandes haben und auch deutlich spüren. Leider beschäftigen sich allerdings noch zu wenige Vorstände mit ihren Vereinstraditionen.

Wo können die KGV Hilfe und Anleitung für ihre Traditionsarbeit bekommen?

Das seit 2012 in allen Vereinen vorhandene „Handbuch für den Chronisten im sächsischen Kleingärtnerverein" ist eine sehr gute Grundlage für wirksame Traditionsarbeit. Das Deutsche Kleingärtnermuseum ist eine wahre Fundgrube für interessierte KGV. Die Mitarbeiter des Museums sind immer bereit entsprechende Hilfe zu geben. Die gibt es auch im SLK über die Arbeitsgruppe „Traditionspflege". Sprechzeiten werden regelmäßig im „Leipziger Gartenfreund" veröffentlicht. Wir führen Zusammenkünfte und Erfahrungsaustausch mit Chronisten durch, an denen sich natürlich auch andere interessierte Kleingärtner beteiligen können. Erfahrungsaustausch mit engagierten Vorständen und Chronisten sowie Besichtigungen vorhandener Traditionskabinette sind wirksame Starthilfen. Ich bin immer bereit, Kontakte zu vermitteln.

Was möchten Sie den Vereinsvorständen zum Thema Traditionspflege mit auf den Weg geben?

Bei all den Problemen, mit denen die Vorstände fertig werden müssen, sollte die Traditionspflege im Verein nicht vergessen werden. Es gibt immer wieder Möglichkeiten bei Feiern und Veranstaltungen auf die Traditionen zu verweisen. Es wäre gut, wenn dazu geeignete Kleingärtner angesprochen und wirksam unterstützt würden. Dafür sollten natürlich auch entsprechende finanzielle Mittel geplant werden. Am besten funktioniert das dort, wo Chronisten Mitglieder im erweiterten Vorstand des Vereins sind.

Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg in der ehrenamtlichen Traditionspflege.

Interview: Günter Mayer - Pressewart SLK  - (Mai 2013)