20140923 Hoffnung-West 11Bei einer Beratung mit Chronisten des Stadtverbandes Leipzig der Kleingärtner (SLK) wurde u.a. auch etwas zur Seidenraupenzucht in Kleingartenanlagen gesagt. Da ich so etwas auch vom KGV „Hoffnung West 1926" gehört hatte, machte ich mich auf die Suche und wurde fündig. In der Chronik unseres KGV ist erwähnt, dass 1939 eine Seidenraupenzucht für die Kriegswirtschaft angelegt wurde. Seiden-Kokons für Fallschirme wären in der Anlage B des Vereines produziert worden.

Foto - Peter Wunderlich: Der Seidenraupenzuchtschuppen

Meine Recherche ergab, dass Seide seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Europa und in Deutschland produziert wurde. Verschiedene Auflagen und eine Seidenraupenkrankheit führten dazu, dass Ende des 19. Jahrhunderts von diesen Bestrebungen wenig übrig war. Die großen Maulbeerbestände, das Futter der Seidenraupen, waren bis auf Reste wieder von öffentlichen Plätzen und aus Schlossgärten verschwunden.

Für die Autarkie-Bestrebungen und Kriegspläne der Nationalsozialisten wurde die Seidenraupenzucht wieder aufgenommen. Zentral organisiert von der Reichsfachgruppe für Seidenbau in Zusammenarbeit wurde in Zusammenarbeit mit dem Luftfahrtministerium ein Programm entwickelt, in dem Interessierte, insbesondere Kleinsiedler und Kleingärtner, in einem mehrtägigen Seminar die nötigen Kenntnisse für die Seidenraupenzucht erlangen konnten, um sich einen Nebenverdienst zu ermöglichen.

Für die Zucht wird eine große Anzahl von Maulbeerbüschen benötigt. In der Anlage des KGV „Hoffnung West 1926" wurden im Frühjahr 1939 ca. 5.000 Maulbeerpflanzen gesetzt. Bei der Suche nach Restbeständen dieser Büsche fragte ich einen Gartenfreund, wo die Maulbeerbüsche stehen würden. „Na, hier überall!", stellte er fest. Diese zu breit geratenen Hecken waren mir bereits aufgefallen, aber ich wäre nicht darauf gekommen, dass ein Großteil der Maulbeerpflanzen noch vorhanden ist.

In einem anderen Gespräch wurde ich auf einen Schuppen aufmerksam gemacht, der in der Anlage B auf einem Rasenstück hinter drei Bäumen steht. Das ist der Seidenraupenzuchtschuppen gewesen.

Im Vereinsbüro war tatsächlich noch ein Ordner mit dem Namen „Seidenraupenzuchtschuppen" zu finden. Dieser dokumentiert von den Bauplänen des Schuppens bis zu den Angaben über die Menge der Frischkokons, die produziert wurden, genauestens die Seidenraupenzucht des KGV „Hoffnung West 1926" in den Jahren 1942 und 1943.

Das „wehrwirtschaftliche Interesse" dieser Zucht wird in den Dokumenten hervorgehoben und legt Zeugnis darüber ab, wie die Rüstungswirtschaft der Nationalsozialisten in die kleinsten Lebensbereiche Einzug gehalten hatte. Die Seidenraupenzucht in Kleingärten zeigt, wie die KGV in das nationalsozialistische Leben eingegliedert wurden.

Fünf Leipziger KGV züchteten in dieser Zeit Seidenraupen und lieferten Kokons an die Spinnhütte Celle. Der KGV „Mariental" war einer von ihnen. Von den weiteren an der Seidenraupenzucht beteiligten KGV fehlt jegliche Information.

Wissen Sie von Maulbeerbeständen in ihrem KGV? Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir bei der weiteren Suche helfen würden! Melden Sie sich bitte im Stadtverband Leipzig der Kleingärtner (SLK).

Deborah Jeromin - KGV „Hoffnung West 1926"