2012-Krause-LaubeDas Kleingartenwesen verfügt über mehrere Quellen, die heute unter diesem Begriff genannt werden. Viele der Vereine gingen aus der Schreber- und Naturheilbewegung hervor - eine logische Folge zunehmender Industrialisierung, der Entwicklung der Arbeiterklasse und deren Konzentration in den sich vergrößernden Städten im 19. Jahrhundert. 12- bis 14-stündige Arbeitstage in den Fabriken, die oft einseitige körperliche Belastung sowie weniger frische Luft im Wohnumfeld, worunter besonders die Kinder zu leiden hatten, förderten den Wunsch nach einem Ausgleich. Das veranlasste Bürger, Bürgervereine und Interessengemeinschaften auf freiem Gelände Land von den Gemeinden oder der Stadt zu pachten, um den Kindern Bewegung und das Spielen an frischer Luft zu ermöglichen.

Foto: KGV "Kultur" - Nach Vorlagen hergerichtete "Krause-Laube"

2005 LK 5723 L-SellerhausenDazu kam der Wunsch, durch den Anbau von Gemüse und Obst den zum Teil kärglichen Speiseplan der Familien zu bereichern. So entstanden zumeist in den dicht besiedelten und oft ärmsten Vierteln der Stadt die ersten Gartenanlagen, wie 1880, als 46 Familien, die an der Grünen Gasse in Anger-Crottendorf gelegenen Kohlgärten in Gartenland umwandelten. Dazu gehörten auch die sogenannten Armengärten, die zumeist auf Initiative von christlichen oder caritativen Einrichtungen entstanden und helfen sollten, die Not der Ärmsten zu lindern.

SLK-Foto: Historische Laube im KGV "Leipzig-Sellerhausen" 

Zudem begannen Angehörige der Reichsbahn Brachflächen an ihrer Dienststelle zu kultivieren und zu gestalten, es entstanden kleine Beete, auf denen meistens Gemüse aber auch Blumen wuchsen und zur Entspannung beitrugen. Große Tradition hat dies im Stadtverband Leipzig der Kleingärtner (SLK) allerdings nicht, wenngleich einige Vereine heute noch in ihrem Namen daran erinnern.

Der Ursprung der Betriebs- und Arbeitergärten liegt in Berlin-Charlottenburg Mitte des 19. Jahrhunderts, wo sie zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Mietskasernen gedacht waren und vorwiegend in den Arbeitervierteln in der Nähe der Fabriken entstanden. Dabei gab es eine enge Verbindung zum Deutschen Roten Kreuz, das sich der Volksgesundung und der Bekämpfung der Tuberkulose widmete und dabei Verdienste erwarb.

Karl Krause wikipediaMöglicherweise inspirierte dies den Fabrikanten Karl Krause  (l./ Foto wikipedia), Besitzer der gleichnamigen Fabrik, die Maschinen für das papierverarbeitende und Druckgewerbe herstellte. Sie wurde 1873/74 gegründet und befand sich zwischen der heutigen Theodor-Neubauer-Straße und Zweinaundorfer Straße.

1880 waren dort 168 Mitarbeiter beschäftigt. Die meisten von ihnen wohnten und lebten in der Nähe, die Kinder gingen dort zur Schule. Bis 1896 entstanden im Fabrikgelände soziale Einrichtungen wie Wasch- und Baderäume sowie Speisesäle mit Küche für die Werktätigen. Außergewöhnlich war eine Arbeiterbibliothek, die über 2500 Bände mit vorwiegend wirtschaftlichem, technischem, kaufmännischem und gesundheitlichem Inhalt verfügte und frei genutzt werden konnte.

Zum Karl-Krause-Gesangsverein, der einmal wöchentlich probte und Betriebsveranstaltungen kulturell umrahmte und zur Unterhaltung beitrug, gehörten ausschließlich Betriebsmitarbeiter. Mit seinem sozialen Engagement machte sich Karl Krause verdient, wenngleich er dies nicht uneigennützig tat. Es ging ihm darum, eine engagierte, dem Werk verbundene und dem Besitzer ergebene Stammbelegschaft zu schaffen und dies über möglichst mehrere Generationen.

2005 LK 4653 KleinerPalmengartenSo dürfte es kein Zufall gewesen sein, dass er 1892 an der Gartenstraße (heute Theodor-Neubauer-Straße) auf unbebautem Gelände Familiengärten mit einer Größe von 150 m² und Kinderspielplätze anlegen ließ. Jeder Garten war mit einer einheitlich gestalteten Laube ausgestattet. Sie diente dem Aufenthalt der Familie und für die Aufbewahrung der Geräte. Dieser Typ Gartenlaube trägt deshalb die Bezeichnung „Krause-Laube".

Im Kleingärtnerverein (KGV) „Kultur" stehen heute noch einige. Der Verein stellte dem Deutschen Kleingärtnermuseum eine dieser Lauben für den Museumsgarten zur Verfügung.

Auch in anderen Vereinen wurde bei der Gründung in den 1890er Jahren dieser Typ errichtet, so z.B. in den KGV "Kleiner Palmengarten (r. / SLK-Foto), „Heimatscholle 1893", „Blockhaus 1894", „Am Walde" und „Goldene Höhe". Leider findet man sie heute kaum noch.

Der Leipziger Fabrikant Karl Krause gründete 1873/74 eine Fabrik, die Maschinen für das papierverarbeitende und Druckgewerbe herstellte. Sie befand sich in Leipzig, zwischen der heutigen Theodor-Neubauer-Straße und der Zweinaundorfer Straße. Weil er 1902 starb, erlebte er nicht mehr, dass 1903 ein Brand die Fabrik vernichtete. Der Nachfolger, sein Schwiegersohn Heinrich Biagosch, veranlasste den Neuaufbau des Werkes, der 1905 mit den dazu gehörenden sozialen Einrichtungen vollendet wurde. Dazu musste das Gelände der Gartenanlage, die 1892 an der damaligen Gartenstraße (heute Theodor-Neubauer-Straße) ausschließlich für Mitarbeiter der Maschinenfabrik angelegt worden war, geräumt werden.

2005 LK 5828 FreilandEs wurde Land gepachtet und darauf entstanden 100 neue Gärten mit einer Parzellengröße von 150 bis 160 m². Seit 1904 nannte sich dieser neu erschlossene Gartenverein „Gartenkolonie Karl Krause". Mit dieser Anlage „Karl Krause I" haben die KGV „Sommerlust" und „Kultur" ihren Ursprung.

In den Jahren 1903/04 entstanden in Anger-Crottendorf mehrere Gartenanlagen nach dem ersten Beispiel, die heute nach zum Teil wechselvoller Geschichte im „Kleingartenpark Südost" vieles gemeinsam gestalten.

SLK-Foto: Alte Laube im KGV "Freiland"

Heinrich Biagosch erwarb im Herbst 1916 für seine Arbeiter Gelände an der Seifertshainer Straße (heute Pommernstraße), konnte jedoch die Erschließung einer Gartenanlage infolge des Ersten Weltkrieges nicht verwirklichen. Das erfolgte ab dem Frühjahr 1917. Dieses Jahr gilt als Gründungsdatum des heutigen KGV „Neues Leben". Der Verein wurde 1920 als Gartenverein „Karl Krause II" ins Vereinsregister eingetragen. Das vereinseigene Statut regelte die Mitgliedschaft. So hieß es im § 2: „Zweck des Vereins ist, jedem Mitglied und seinen Angehörigen eine Stätte der Erholung in Gestalt eines Gartens zu bieten und das gute Einvernehmen zwischen der Firma ´Karl Krause´ und ihren Mitarbeitern zu pflegen." Und im § 3 hieß es: „Mitglied kann jede Person werden, die bei der Firma ´Karl Krause´ beschäftigt ist." Das unterstrich deutlich das soziale Anliegen als auch die Absicht, die Mitarbeiter an das Werk zu binden.

Adolf Bleichert wikipediaWar Karl Krause in Anger-Crottendorf allgemein bekannt, traf das auf Adolf Bleichert (l./ Foto wikipedia) in Gohlis und Eutritzsch zu. In seinen Werken wurden Drahtseilbahnen für unterschiedliche Zwecke produziert und in zahlreiche Länder exportiert. 1917 gründeten die Söhne eine Stiftung, kauften 76.120 m² Land und legten die „Bleichertsche Gartenvereinigung Seilbahn" an.

Das Gelände befand sich nördlich der damaligen Danziger Straße, der heutigen Max-Liebermann-Straße. Anliegen war die Unterstützung vor allem der Frauen und Kinder der im Ersten Weltkrieg eingezogenen Männer und Väter. Der Tag der Übergabe der Parzellen, am 15. September 1917, gilt als Gründungstag des heutigen KGV „Seilbahn". In den ersten Jahren unterstützte die Firma großzügig die Gestaltung und Entwicklung des Geländes und errichtete das Vereinshaus.

Sie erließ sogar von 1920 bis 1930 die Pacht, forderte dafür aber von den Pächtern Ergebenheit zur Firma. Beim Ausscheiden musste der Garten entschädigungslos geräumt werden. Obwohl es seit 1920 einen gewählten Vorstand gab, lag die Entscheidung über Mitgliedschaft weiter bei einem Gartenwächter, den die Firma einsetzte. Es wurden politische Neutralität und Loyalität gefordert. Erst als das Interesse der Eigentümer am Geschehen im Verein nachließ, konnte man 1926 mit einer neuen Satzung dem Anliegen eines Schrebervereins besser gerecht werden.

2005 LK 6441 FroschburgKarl Krause und Adolf Bleichert haben sich um das Kleingartenwesen auf ihre Art verdient gemacht. Es waren die einzigen Unternehmer in Leipzig, die ihre Betriebsinteressen mit denen der Werktätigen verbanden. Das wird in den Chroniken dargestellt und gewürdigt, es gehört zur Vereinsgeschichte.

Eleonore Hennig - Leiterin AG Traditionspflege des SLK

SLK-Foto: Laube aus den Anfängen des KGV "Froschburg"